Homeschooling rechtlich gesehen

Immer wieder werde ich gefragt, welche rechtlichen Bedingungen vorgesehen sind, um Homeschooling in Südtirol bzw. Italien zu betreiben.
Ballade-Baum-Stern-kl
Nun, es ist im Grunde nicht besonders kompliziert. Als allererstes muss man sein Kind ganz regulär mit 6 Jahren in die 1. Grundschulklasse einschreiben, das passiert meistens im Jänner desselben Jahres, in dem das Kind im Herbst zur Schule gehen sollte. Das ist zu tun, auch wenn man jetzt schon weiß, dass das Kind nicht die öffentliche Schule besuchen wird.

Innerhalb desselben Monats, also Jänner, muss man der Schuldirektion, in deren Sprengel man wohnhaft ist – und das muss man dann jedes Jahr für das kommende Schuljahr machen – einen „Antrag zur Freistellung vom öffentlichen Unterricht“ und eine „Erklärung zur Erteilung von Privatunterricht“ vorlegen – in letzterer muss mitgeteilt werden, ob das Kind Privatunterricht erhält und durch wen oder ob es eine nichtanerkannte private Schule besucht. Das heißt, derzeit müssen auch alle Eltern der Kinder, die eine solche Schule wie etwa die Pfütze besuchen, jedes Jahr einen solchen Antrag stellen.

Innerhalb November, also etwa zwei Monate nach „Schuljahrbeginn“, muss man einen individuellen Lernplan für das Kind vorlegen, worin für jedes Fach beschrieben wird, was das Kind in diesem Schuljahr lernen wird bzw. was man ihm vorschlagen wird (selbst die besten Hellseherinnen unter uns haben es noch nicht geschafft, im voraus zu wissen, was das Kind nächste Woche lernen wird🙂 ).
Sehr hilfreich sind beim Erstellen dieser individuellen Lernpläne die Rahmenrichtlinien des Landes (sogenannte Landes-Lehrpläne).
Innerhalb Jänner muss man jedes Jahr einen Zwischenbericht für das 1. Schulhalbjahr abgeben, in welchem beschrieben wird, was das Kind gelernt hat. Hier sollten auch Ablichtungen von Beispielen wie Zeichnungen, Aufsätze, Fotos, Übungen beigelegt werden.
Ich habe mir von Anfang an angewöhnt, täglich in Stichworten zu notieren, was die Kinder machen, so ist es dann sehr einfach, diesen Bericht anzufertigen.
Innerhalb Mitte Juni folgt dann der Abschlussbericht für das 2. Schulhalbjahr.
C-dur
Vor einigen Monaten wurde uns von der Schuldirektion mitgeteilt, dass das Landesschulamt beschlossen habe, Homeschoolern Zwischenprüfungen zu unterziehen, und zwar jeweils am Ende des 3., 5. und 7. Schuljahres. Wir werden diesen September die erste Erfahrung einer solchen Zwischenprüfung (John) machen, daher kann ich noch nichts dazu sagen. Doch egal, wie gut oder wie schlecht sie ausfällt, John hat auf jeden Fall das Recht, aufgrund seines Alters nächstes Jahr als Privatist zur Prüfung für den Mittelschulabschluss anzutreten. Ohne diesen Abschluss gibt es hier kein Weiterkommen – keine weiterführende Schule, keine Berufsausbildung, nichts.
Irgendwo, so bürokratisch diese Bedingungen auch erscheinen, machen sie doch Sinn. Jedes Kind hat laut Gesetz das Recht auf Bildung, und irgendwer muss eben irgendwie überprüfen, ob dem nachgekommen wird. Fragwürdig bleibt die Methode einer Zwischenprüfung (wie bei allen Prüfungen) für mich trotzdem, denn sie zeigt ja nur einen kleinen Ausschnitt dessen, was ein Kind kann. Was ist mit seinen emotionalen und sozialen Kompetenzen, wie sollen diese nachgewiesen werden? Wie man es auch dreht und wendet, am Ende scheint es mir doch auf reines Wissen-Abfragen hinauszulaufen. *seufz*

Sollte das Kind hingegen plötzlich beschließen, nach eine Weile doch die öffentliche Schule besuchen zu wollen, dann muss man das der Schuldirektion mitteilen und es findet auf jeden Fall eine Art Aufnahmeprüfung statt, um festzulegen, welche Klasse das Kind besuchen kann. Es würde ja auch nicht viel Sinn machen, ein 8jähriges Kind, das noch nicht lesen kann, in die 3. Grundschulklasse einzuschreiben. Was hingegen mit einem 7jährigen Kind passiert, das bereits das Wurzelrechnen beherrscht, weiß ich nicht…😉

Die Bedingungen, die man laut Gesetz als „unterrichtende Eltern“ erfüllen muss, bestehen darin, dass man nachweisen können muss, technisch und finanziell in der Lage dazu zu sein. Was in etwa bedeutet, dass man selbst einen Schulabschluss hat bzw. dass man finanziell in der Lage ist, eine/n Privatlehrer/in einzustellen.

Auch ist man verpflichtet, der Schuldirektion jederzeit Einlass in die Wohnung bzw. Einblick in die Lernunterlagen zu gewähren.

Himmel-ueber-Bozen-a

(Scusate… ma questa volta l’articolo é troppo lungo per volerlo tradurre… Inoltre si tratta „solo“ di cose tecnico-burocratiche, cioé di cosa bisogna fare in Alto Adige per poter fare homeschooling… moduli, esami, resoconti ecc. E visto che a chiedermi come fare sono quasi solo amiche di lingua tedesca, mi permetto di lasciarlo cosí.)

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