An Unschooler’s Interview.“Es ist gut so wie es ist.“ *** „Va bene cosí come é.“

Ilse Gantioler (38) aus Bozen hat sich schon früh für alternative Bildungsmodelle interessiert. Ihre Tochter (12) und ihr Sohn (9) besuchten einige Jahre lang eine privat geführte Montessorischule bzw. Kindergarten. Seit drei Jahren ist die Familie ganz aus dem Schulsystem ausgestiegen und hat sich für Unschooling entschieden. Der Jüngste (4) besucht keinen Kindergarten. Als häufige Besucherin dieses Blogs haben sie und die älteste Tochter (weiter unten) einem kleinen Interview gerne zugestimmt.
Die Idee, kleine Interviews über verschiedene Bildungswege und -meinungen zu veröffentlichen, kam mir vor einer Weile beim Lesen von Homeschooling: Freedom and Fun for your Family, wo ich selbst letztes Jahr interviewt wurde.

Welche Gründe waren ausschlaggebend dafür, sich nicht für den Besuch der öffentlichen Schule (bzw. Kindergartens) zu entscheiden? Ich hinterfrage gern. Oft zeigen sich mir andere Möglichkeiten auch „zufällig“ –  ich treffe Menschen, die mir erzählen, was in ihnen lebendig ist, ich schnappe irgendwo einen Satz auf, der mich stark beschäftigt, mich spricht ein Buch an. Das Thema fasziniert mich und lässt mich nicht mehr los. Ich vertiefe mich – und finde meinen Weg.
Das Buch „Erziehung zum Sein“ von Rebeca Wild hat Vieles in mir ausgelöst und war der Anfang meiner Beschäftigung mit alternativen Bildungsmöglichkeiten. Gemeinsam mit anderen Eltern habe ich am Aufbau eines privaten Kindergartens und einer Schule nach Wild mitgearbeitet. Ich bin sehr dankbar für diese intensive Zeit.

Warum habt ihr nach fünf Jahren die alternative Schule verlassen? Es gab zwei große Beweggründe. „Unsere“ Freie Schule war für mich nicht mehr frei – ältere Kinder werden auf Prüfungen vorbereitet. Den Samen für Homeschooling legte allerdings eine Aussage von Mauricio Wild. Er sei nach 25 Jahren Freier Schule zur Einsicht gekommen, dass auch ihre Freie Schule wieder eine Schule war, ein Ort, an dem Eltern ihre Kinder und die Verantwortung über deren Erziehung und Bildung an „fremde“ Personen abgeben. Anfang November 2007 verließen wir zusammen mit anderen Familien die private Schule.

Wie kam es, dass ihr euch für Unschooling entschlossen habt? Kannst du diesen Begriff, wie ihr ihn versteht, kurz erläutern? Für mich war die Freie Schule eigentlich eine „Unschooling“-Schule, das heißt eine Schule ohne Lehrplan, Stundenpläne und Prüfungen. Die Kinder waren frei zu entscheiden, welchen Themen sie sich widmeten. Daran hat sich auch nach dem Austritt nichts geändert. Unschooling heißt für mich also Homeschooling ohne Lehrplan und gezielte Vorbereitung auf Prüfungen.
Jetzt – in unserem 3. Jahr von Unschooling – weitet sich der Begriff auch auf andere Bereiche aus. Die Kinder können nach wie vor frei entscheiden, was sie machen möchten, aber jetzt sind auch Dinge eingeschlossen, die vorher nicht oder begrenzt erlaubt waren: z. B. die Beschäftigung mit dem Computer und all seinen Möglichkeiten. Immer uneingeschränkter wird das Vertrauen in das Leben und in die Kinder. Wir sind bemüht, darauf zu achten, die Bedürfnisse aller in der Familie die meiste Zeit zu befriedigen. Dies geht um so vieles einfacher und freudvoller, je mehr ich meine Bewertungen und Beurteilungen fallenlasse.

Ist es für dich als Mutter nicht anstrengend, den ganzen Tag mit den Kindern zu verbringen? Hast du noch private, eigene Zeit? Wie ist diese Entscheidung mit deiner Berufstätigkeit zu vereinen? Ich mache meistens, wozu mir gerade der Sinn steht. Und ich finde es schön, von meiner Familie umgeben zu sein. Und wenn ich mal Zeit für mich brauche, dann sage ich das und schaffe mir den Freiraum. Es gibt ganz klar auch anstrengende Momente und Zeiten, aber dies ist auch okay und gehört dazu und für mich entpuppen sich gerade diese Zeiten oft als wichtige Lernerfahrungen. Ich unterrichte an zwei Nachmittagen Querflöte. Die Kinder sind in dieser Zeit mit ihrem Vater.

In deinem Beruf erlebst du Kinder und Lernen im traditionell-schulischen Bereich. Wie ist das für dich? Am Anfang hat es mir mein Denken über diesen Bereich schwer gemacht. Jetzt ist es für mich einfach und klar geworden. Die Kinder und Erwachsenen wollen, dass ich ihnen zeige, wie sie das Flötespielen erlernen und verbessern können. Das mache ich.

Wie lange möchtet ihr diesen Weg weitergehen? Solange er für uns stimmt.

Welche Empfehlungen kannst du jenen Personen geben, die sich überlegen, ebenfalls diesen Schritt zu wagen? Für mich war und ist der Austausch mit anderen Homeschooler-Familien wichtig. Und Bücher.

Welche persönlichen Veränderungen hast du auf diesem Weg erfahren? Von Kontrolle zu immer mehr Loslassen, von sich Ärgern über alles Mögliche zu immer mehr bedingungslosem Annehmen , von „es sollte so sein“ zu „so ist es“, von Enge zu immer mehr Öffnung, von irgendwelcher Methode zur Achtung der momentanen Bedürfnisse. Immer mehr Freiheit.

Was wünschst du dir für die nächste Zukunft? Es ist gut so wie es ist.


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F, du bist 12 Jahre alt, was für ein Gefühl ist es zu wissen, dass alle deine Freundinnen zur Schule gehen und du nicht? Es war für mich nie ein Problem.

Welche Vorteile empfindest du als Unschoolerin besonders wichtig? Siehst du auch Nachteile? Man kann das machen, wozu man Lust hat, ich kann aufstehen, wann ich will, ich hab viel Zeit. Nachteile fallen mir jetzt nicht ein.

Wie kann man sich deinen Alltag vorstellen, wie läuft das ab, wie lernst du, was machst du am liebsten? Ich mache oft Scoyo (ein Lern- Programm) oder Rosetta Stone (Sprachlernprogramm), das macht mir zur Zeit am meisten Spaß. Die Rechtschreibung lerne ich, indem ich Geschichten schreibe und der Computer die Fehler ausbessert. Oder indem ich lese.

Wie stellst du dir deine weitere Zukunft vor? Das weiß ich noch nicht. Und wenn ich mich gleich entscheiden müsste, dann würde ich gern Schauspielerin werden.

Ilse Gantioler (38) di Bolzano si interessò presto di modelli di istruzione e di educazione alternativi. Sua figlia (12) e suo figlio (9) hanno frequentato per alcuni anni una scuola privata (scuola materna ed elementare) con metodo Montessori. Da tre anni la famiglia è completamente uscita dal sistema scolastico e ha optato per l’Unschooling. Il bambino piú piccolo di 4 anni non frequenta nessuna scuola dell’infanzia.
Ilse ed io ci siamo conosciute due anni fa. Come lettrici di questo blog, Ilse e la la figlia maggiore si sono dette d’accordo per questa piccola e interessante intervista.
L’idea di fare qualche volta piccole interviste su diversi punti di vista nei confronti dell’educazione e istruzione, mi é venuta tempo fa leggendo le interviste su Homeschooling: Freedom and Fun for your Family, dove avevo partecipato l’anno scorso.

Quali ragioni sono state decisive per decidere di non frequentare la scuola pubblica? Mi piace riflettere bene sulle cose. Spesso altri percorsi si mostrano „per caso“ – mi capita di incontrare persone che mi dicono ciò che pensano loro, o da qualche parte ascolto una frase che trova terreno fertile in me, oppure leggo qualcosa di interessante in un libro. L’argomento dell’educazione mi affascina e lo approfondisco sempre di più. Mi immergo – e trovo la mia strada.
Il libro „Erziehen zum Sein” (trad. “Educare all’Essere”) di Rebeca Wild ha suscitato molto in me e fu l’inizio del mio coinvolgimento con alternative opportunità educative. Insieme con i genitori di altri bambini, ho lavorato per aprire una scuola materna privata montessoriana e una scuola secondo i principii dei coniugi Wild. Sono molto grata per questo intenso periodo.

Perché hai lasciato dopo cinque anni la scuola alternativa? Ci sono due motivi principali. La nostra “scuola libera” per me non era più libera nel momento in cui i bambini di età superiore sono stati preparati per gli esami. Il seme per la decisione di optare per l’ istruzione a casa, però, é stato gettato da una dichiarazione del pedagogo Mauricio Wild. Raccontó che dopo 25 anni di esperienza di “scuola libera” in Equador é arrivato alla conclusione che comunque anche questo, come le altre scuole, era un luogo dove i genitori delegavano la responsabilitá di educazione e istruzione a qualcun’altro. All’inizio di novembre 2007 insieme ad alcune altre famiglie abbiamo lasciato la scuola.

Come mai avete deciso per l’ Unschooling? Come intendete questo concetto? Per me, la nostra “scuola libera” è stata in realtà una scuola a metodo ‚Unschooling‘: una scuola senza curriculum, senza orari o programmi di lezioni e senza test, verifiche ed esami. I bambini sono stati liberi di decidere ciò che volevano fare in ogni momento. Questo dopo il nostro ritiro non è cambiato. Unschooling per me significa questo: vivere e imparare senza curriculum e senza programmi e senza doversi preparare a degli esami o a degli obiettivi da raggiungere.
Ora – nel nostro terzo anno di Unschooling – estendo il concetto anche ad altri ambiti. I bambini sono sempre liberi di decidere cosa vogliono fare, ma ora in queste possibilitá  sono incluse cose che in precedenza erano limitate o non ammesse: per esempio il computer con tutte le sue possibilità. La fiducia nei bambini e nella vita cresce con ogni giorno. Stiamo cercando di prestare attenzione a soddisfare le esigenze di tutti i membri della famiglia e questo per la maggior parte del tempo possibile. Questo diventa più facile e gioioso più riesco a lasciar perdere critiche e giudizi.

È stressante per te come madre passare l’intera giornata con i tuoi bambini? Riesci ad avere abbastanza tempo “privato”, tuo, a disposizione? Come riesci a conciliare questa scelta di vita con la tua attivitá professionale? Faccio piú o meno sempre quello che ho voglia di fare in quel momento. E trovo bello essere circondata dalla mia famiglia. Quando ho bisogno di tempo per me, da sola, allora lo dico e troviamo il modo di trovare lo spazio. Chiaramente esistono momenti piú pesanti, ma credo sia normale, lo accetto e proprio questi momenti fanno parte di occasioni di crescita personale. Dal punto di vista professionale: Io insegno flauto in due pomeriggi alla settimana. I bambini in quell’occasione passano il tempo con il loro padre.

Durante il tuo lavoro entri in relazione con bambini in un ambiente scolastico tradizionale. Come vivi questa situazione? All’inizio infatti ho avuto qualche difficoltá di filosofia con il mio modo di vedere l’argomento dell’educazione. Ora ho trovato la mia risposta semplice e chiara: I bambini e gli adulti vogliono che io mostri loro come possono imparare a suonare il flauto e migliorare le loro competenze. Questo é quello che faccio.

Per quanto tempo pensate di continuare su questa strada? Finché a noi sembrerá la strada giusta.

Quali consigli puoi dare a quelle persone che pensano di voler fare questo passo? Per me é fondamentale il dialogo e lo scambio di esperienze e punti di vista con altre famiglie di homeschoolers e unschoolers. E leggere libri sull’argomento.

Quali cambiamenti personali hai vissuto durante questo percorso? Passare dal controllo alla libertá nel senso di “lasciar andare le cose”; passare dall’arrabbiatura all’accettazione delle cose, passare dal modo di dire “dovrebbe essere cosí” al dire “é cosí”. Passare dal sentirsi in un vicolo stretto all’apertura sempre piú ampia,  passare da un qualsiasi metodo al semplice rispetto delle esigenze del momento. Più e più libertà.

Cosa desideri per il prossimo futuro? Va bene cosí come é.

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F, hai 12 anni, che sensazione è sapere che tutte le tue amiche vanno a scuola e tu invece no? Per me non è mai stato un problema.

Quali sono i vantaggi dell’ Unschooling particolarmente importanti per te? Vedi anche svantaggi? Posso decidere quello che voglio fare, posso alzarmi quando voglio, ho un sacco di tempo. No, svantaggi per me non ne vedo.

Come possiamo immaginare la tua giornata, come studi, cosa ti piace fare di più?  Lavoro spesso con Scoyo (un programma di apprendimento) o Rosetta Stone (programma di apprendimento delle lingue), questo ultimamente mi diverte molto, mi piace. L’ortografia la sto imparando scrivendo le mie storie, e il programma del computer mi fa le correzioni. O con la lettura, io leggo moltissimo.

Come vedi il tuo futuro? Io non lo so ancora. Se dovessi decidere adesso, in questo momento, allora direi che mi piacerebbe diventare un’attrice.

4 Antworten zu An Unschooler’s Interview.“Es ist gut so wie es ist.“ *** „Va bene cosí come é.“

  1. Sofia sagt:

    Leggendo dei post che scrivi Sybille, penso sempre a quanto liberi mentalmente e creativi crescano i tuoi figli e lo trovo bellissimo. Poi mi chiedo quanta fiducia e solidità dovresti trasmetti ai figli per darli il senso di trovarsi bene, essere sicuri di se in questo mondo domani. Mi fai riflettere non poco e anche non facendo la vita simile trovo moltissimi spunti ed idee nel tuo stile di vivere l’educazione dei figli. Un saluto

  2. raffaella sagt:

    Grazie per le belle, bellissime parole di Ilse. La sua fiducia sull’essere umano mi riempie il cuore. Anch’io lavoro moltissimo sull’accettazione, e mi ripeto spesso VA BENE COSI‘ COM’E‘. mi sono ritrovata molto nelle sue parole. E questo ritrovarsi è bello perchè mi rinnova. Grazie, ancora
    Raffaella

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  4. […] Homeschoolerfreundin Ilse hat beneidenswerten Besuch: Die (Unschooling-)Familie Hofsaess, die sie durch Clonlara kennengelernt hat, macht gerade auf ihrem Abenteuer durch die Alpen in Bozen Rast. Hier und  hier und hier und hier könnt ihr ein Video über die Familie sehen. […]

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