Homeschooling Interview: „Und wenn er nicht mehr zur Schule ginge?“ *** „E se a scuola non ci andasse piú?“

Nach dem Interview mit Flavia kommt heute eine Familie aus Mals im Südtiroler Vinschgau zum Thema Homeschooling zu Wort, und ich bin sehr froh, dass die Mutter, G.,  dem Interview zugestimmt hat, weil vielleicht anderen Familien in ähnlichen Situationen dadurch geholfen werden kann, neue Wege für sich zu finden.
Diese Familie hat bereits einen längeren Leidensweg hinter sich, was Sohn Julian (12) und die Schule betrifft. Die Probleme waren nicht auf Leistung oder Lerninhalte bezogen, sondern hingen vermutlich mit dem „System“ Schule zusammen – so scheint es zumindest, da es bisher keine Hinweise auf andere Gründe gibt, und G. hofft, dass nun das Schlimmste vorüber ist und nichts mehr dazukommt. „Wenn ein Kind anders ist als andere, dann muss es dafür auch einen Grund geben, heißt es immer wieder“, erzählt G. Um diesen Grund zu finden, stützte man sich auch auf die Hilfe eines Psychologen; bis heute ohne großen Erfolg. Zusätzlich zu Julians Unwohlbefinden kamen Mobbing, Unverständnis und Desinteresse seitens einiger Personen, Stress und Druck dazu. Dies alles drückte sich bei ihm in Krankheitsbildern aus, die von Jahr zu Jahr extremer wurden und sich nur während längerer Ferienzeiten zurückbildeten. Ärzte und Psychologen konnten nicht helfen, Lehrer und Schule waren überfordert. Schließlich kam nach den Weihnachtsferien die Frage auf: Und wenn er nicht mehr zur Schule ginge?

Warum habt ihr euch dafür entschieden, auf Homeschooling überzuwechseln?
Weil es unseren Sohn gesundheitlich immer schlechter ging. Bauchschmerzen, Durchfall, leichtes Fieber, Übelkeit, Kopfschmerzen und letztendlich tagelanges Erbrechen. Der Höhepunkt wurde erreicht, als die letzten Weihnachtsferien zur Neige gingen, da fingen Übelkeit und ständiges Erbrechen wieder an und dauerten bis zum 18. Jänner, als wir Julian dann sagten, er brauche vorerst nicht mehr in die Schule zu gehen. Ob es wirklich deshalb vorbei war, oder ob es zufällig zu diesem Zeitpunkt aufhörte, wissen wir natürlich nicht hundertprozentig.

Was waren eure größten Sorgen und Bedenken zu dieser Entscheidung?
Uns gingen Fragen durch den Kopf wie etwa: Wie wird diese Entscheidung von der Schule aufgenommen? Wie werden Julians Mitschüler reagieren? Wie werden wir das zeitlich und organisatorisch hinkriegen, da ich halbtägig berufstätig bin? Wie kann sich Julian trotzdem sozial integrieren?

Es sind erst einige Wochen vergangen, seid ihr de facto Homeschooler geworden seid. Trotzdem, wie lautet eure erste Bilanz, gibt es bereits positive und/oder negative Erkenntnisse? Wie hat diese Entscheidung das Familienleben und die Lebensqualität verändert?
Die erste Bilanz ist eigentlich nur positiv! Julian macht mit! Gesundheitlich geht es ihm gut, keine Bauchschmerzen, kein Erbrechen. Also wieder eine gute Lebensqualität. Denn durch diese gesundheitlichen Störungen war Julian von so vielen Sachen (Erlebnisse, Ausflüge, Unterhaltungen, Abenteuer, Einladungen) von vorneherein ausgeschlossen, da es ihm ja immer schlecht ging (nahezu chronische Übelkeit). Er zog sich deshalb immer mehr zurück und war am liebsten alleine. Jetzt ist es viel besser: Julian bekommt inzwischen Besuch von seinen ehemaligen Mitschülern. Sogar eine Lehrerin ist schon zu Besuch gekommen und hat bereits Pläne geschmiedet für den nächsten Besuch.

Wie schafft ihr die Umstellung organisatorisch? Braucht Julian viel Hilfe und Unterstützung oder arbeitet er eher selbständig? Wo bekommt ihr eventuell Hilfe bei fachlichen Inhalten?
Eigentlich arbeitet Julian ziemlich selbstständig. Wir durften die Schulbücher behalten und haben nun auch den Lehrplan aller Fächer erhalten. Natürlich gehen wir auf der Suche nach Unterrichtsmaterial auch auf die Seiten von Buntglas und auf andere Internetseiten, wo wir Informationen, Bilder und Übungen zu den verschiedensten Fächern finden.
Ich finde, wir haben in der heutigen Zeit so viele Möglichkeiten uns weiterzubilden, dass es eine echt tolle Herausforderung ist, diese Aufgabe zu haben. Mathematik und Italienisch macht Julian meistens mit seinem Vater, das ist eine sehr abenteuerliche Erfahrung für beide.
Wir haben eine Englischlehrerin im Freundeskreis, welche uns unterstützt.  Julians Italienischlehrerin ist auch jederzeit bereit zu helfen. Auch in Mathematik hätten wir bei Bedarf eine Anlaufstelle. Wir können sagen, dass wir nicht alleine sind, es haben etliche Freunde und Bekannte angeboten, uns zu unterstützen, falls es nötig ist.

Wie reagiert die Umwelt (Familie, Freunde, Schule, Dorf) auf diesen Wechsel?
Also ich bin eher positiv überrascht. Unsere engsten Familienmitglieder wurden von uns vor der endgültigen Entscheidung  informiert. Die waren nicht besonders überrascht, alle wussten, dass es keinen anderen Ausweg mehr gab, als dies zu probieren. Natürlich wusste bei uns hier niemand von dieser Möglichkeit. Wir mussten Vielen erklären, dass die Gesetzgebung in Italien „Bildungspflicht“  heißt und nicht „Schulpflicht“ , und ich bin sooooo froh darüber. Ich denke nicht, dass alle diesen Schritt verstehen, aber wir wissen auch, dass das Elend, das wir zu Hause hatten, von außen nicht wirklich zu sehen und nicht zu erkennen war.

Geplant ist vorläufig, dieses Schuljahr bis Juni auf diese Weise zu beenden und dann zu schauen, wie es weitergehen soll. Eine Rückkehr in die Schule ist also nicht ausgeschlossen. Welche Bedingungen müssten gegeben sein, damit Julian wieder zur Schule geht?
Dass es Julian wieder gut geht und dass er selbst entscheiden kann, ob er wieder in die Schule gehen möchte, denn nur auf diesem Weg kann er ein gesunder und glücklicher Schüler sein.

Nach eurer leidvollen Erfahrung: Welche Ratschläge könnt ihr Eltern geben, deren Kinder im besonderen Ausmaß „schulkrank“ werden?
Hört auf die Hilferufe eures Kindes, steht zu ihm, egal was andere sagen. Tut, was zu tun ist!!

Dopo l’intervista sull’homeschooling con Flavia oggi tocca ad una famiglia del paesino Malles in Val Venosta in provincia di Bolzano. Sono molto contenta che la madre G. abbia risposto alle mie domande, perché credo possa dare qualche spunto utile a famiglie che vivono una situazione di simile disagio; disagio che non é immaginabile da chi non vive un problema del genere in prima persona.
Questa famiglia ha vissuto l’esperienza di un lungo percorso di problemi per quanto riguarda il figlio Julian (12) e la scuola. I problemi riguardavano meno i contenuti o le materie da studiare ma probabilmente c’entra, almeno cosí sembrerebbe a questo punto, l’impostazione del „sistema“ scuola.
G. spera di aver superato ora i problemi piú grossi. “Quando un bambino é diverso dagli altri, ci dev’essere per forza un motivo – questo é quello che ci sentiamo dire spesso”, racconta G. Per trovare questo motivo il ragazzo negli ultimi anni ha anche avuto sostegno psicologico (e continua ad averne), fino ad oggi senza grandi risultati. Ai suoi problemi di salute e di disagio si sono aggiunti esperienze di mobbing, disinteresse, stress e pressione. Tutto questo si manifestava in lui attraverso periodi di malattia definita psicosomatica (nessun medico o specialista é riuscito negli anni a dare una chiara diagnosi patologica), che con il tempo diventava sempre piú grave e si ridimensionava solo durante i periodi di vacanze piú lunghe. Medici e psicologi non erano in grado di aiutare il ragazzo, insegnanti e scuola non sapevano piú come reagire. Infine dopo le ultime vacanze di Natale é spuntata la domanda: E se a scuola non ci andasse piú?

Perché avete deciso di tenere Julian a casa e di optare per l’homeschooling?
Perché la salute di nostro figlio stava peggiorando sempre di piú e nessuno era in grado di aiutarlo, di aiutarci. Mal di pancia, diarrea, febbre, nausea e infine vomito per periodi prolungati. Il momento peggiore l’abbiamo raggiunto quando le ultime vacanze di Natale stavano per finire. Negli ultimi giorni di ferie Julian ha iniziato a stare molto male,  fino al 18 gennaio, quando gli abbiamo proposto di non tornare piú a scuola. Se il suo malessere sia passato per il sollievo di sentire questa notizia o se sarebbe passato comunque, ovviamente non lo possiamo accertare al cento per cento. Fatto sta che da quel giorno Julian sta bene, questo per ora é quello che conta.

Quali erano le vostre preoccupazioni piú grandi durante la decisione di tentare con questo cambiamento?
Eravamo tormentati da un mucchio di domande: Come reagirá la scuola? Cosa diranno i compagni di classe di Julian? Come riusciremo in questa impresa dal punto di vista organizzativo, visto che io lavoro part-time? Riuscirá Julian comunque a integrarsi dal punto di vista della socializzazione?

Sono passate solo alcune settimane da quando siete diventati effettivamente homeschoolers. Com’é il vostro primo bilancio, potete giá raccontare di elementi positivi e/o negativi? Quale impatto ha avuto finora questa decisione sulla vostra famiglia e la qualitá di vita?
Il primo bilancio é sicuramente positivo! Julian collabora, dal punto di vista della salute sta bene, non ha né mal di pancia  né nausea o vomito… non ci sembra vero. Perció una buona qualitá di vita. Perché con i problemi che si presentavano prima, lui era escluso da molte cose fin dall’inizio – visto che stava sempre male (nausea cronica), non riusciva quasi mai a partecipare alle cose che facevano gli altri ragazzi: gite, svaghi, avventure, feste, inviti… Cosí si é sempre ritirato piú in sé stesso e preferiva starsene da solo. Ora molte cose sono giá cambiate: I suoi compagni di classe lo vengono a trovare, anche un’insegnante é venuta a trovarlo e ha giá programmato la prossima visita…

Come riuscite a cavarvela dal punto di vista organizzativo? Il ragazzo ha bisogno di aiuto e di sostegno oppure riesce a lavorare in modo autonomo? Dove trovate eventualmente sostegno didattico-tecnico?
In fondo Julian lavora in modo abbastanza autonomo e autoresponsabile. Abbiamo potuto tenere i suoi libri di scuola e abbiamo anche ricevuto il programma scolastico per tutte le materie. Ovviamente andiamo in ricerca di materiale e spunti didattici anche in Internet, ad esempio sul sito Buntglas e su altri siti, dove troviamo informazioni, materiale, immagini, schede ed esercizi per diverse materie.
Devo dire che al giorno d’oggi abbiamo davvero moltissime possibilitá per studiare e imparare, é davvero una sfida fantastica affrontare ora questo compito. Per quanto riguarda matematica ed italiano, Julian di solito lo fa insieme al padre, e questa é una particolare avventura per tutti e due!
Fra i nostri amici c’é un’insegnante di inglese che ci dá una mano. L’insegnante di italiano di Julian ha pure dichiarato la sua disponibilitá in caso ne avessimo bisogno. Anche per quanto riguarda matematica c’é qualcuno disposto a dargli un po’ di sostegno. Possiamo dire che davvero non siamo da soli, molti amici e conoscenti hanno dichiarato la loro disponibilitá per dare una mano se serve.

Come hanno reagito i parenti, gli amici, la scuola e il paese quando hanno sentito la parola homeschooling?
Dunque, sono rimasta molto sorpresa, in senso positivo. I nostri parenti sono stati informati da noi ancora prima della decisione definitiva. Loro non erano molto sorpresi perché, conoscendo la situazione, erano consapevoli che in fondo non c’era ormai altra possibilitá che tentare questa strada. Naturalmente qui da noi nessuno sapeva che si poteva fare scuola familiare, dal punto di vista giuridico. Abbiamo dovuto spiegare a molti che la legge in Italia prevede “l’obbligo di istruzione” e non “l’obbligo scolastico”, e ne sono cosí felice!! Non credo che tutti siano in grado di comprendere il nostro passo, ma sappiamo che visto da fuori nessuno é capace di immaginare la gravitá dei problemi di salute di Julian e il grande disagio di cui soffriva in un certo senso l’intera famiglia.

Per ora pensate di concludere in questo modo l’anno scolastico in corso e di decidere a giugno come proseguire in futuro. Un ritorno a scuola perció non é escluso. Quali sono le condizioni per un ritorno a scuola?
Le condizioni sono che Julian dovrebbe stare bene per quanto riguarda la sua salute e che sia lui stesso poi a decidere di voler tornare a scuola. Solo in questo modo riuscirá ad essere un ragazzo sereno e felice.

Dopo il vostro percorso di quest‘ esperienza sofferta: Quali consigli potete dare ai genitori i cui figli soffrono di un „mal di scuola“ particolarmente aggressivo?
Ascoltate le grida di aiuto dei vostri figli, state sempre dalla loro parte, non importa cosa dicono gli altri. E poi fate quello che é da fare!!

10 Antworten zu Homeschooling Interview: „Und wenn er nicht mehr zur Schule ginge?“ *** „E se a scuola non ci andasse piú?“

  1. Micha sagt:

    Danke für das Interview! Ich finde es nach wie vor sehr spannend und inspirierend, mich mit dem Thema „Homeschoolig“ zu befassen, auch wenn es mich irgendwie traurig macht, dass wir diesen Weg in Deutschland nicht (so „einfach“) gehen können. Es braucht hier schon sehr, sehr viel Mut und das traue ich mir ehrlich gesagt nicht zu.

    • Sybille sagt:

      Vielleicht liest ja das deutsche Schulministerium heimlich mit, hi-hi… Nein, im Ernst, ich finde die Situation in Deutschland total schlimm. Ich weiß nicht, was ich in dieser Lage täte. Gegen Gesetze zu verstoßen ist einfach nochmal etwas anderes als einen zwar nicht üblichen, aber erlaubten und dadurch möglichen Weg zu gehen… hoffentlich bleibt es bei uns so, man weiß ja nie…

  2. Lanterna sagt:

    Quello che mi chiedo riguardo Julian è: che cosa non gli andava della scuola? Nel senso: i compagni lo vengono a trovare, alcune insegnanti pure e offrono il loro aiuto. Quindi la „colpa“ del suo stato era l’istituzione in sé? O si trovava male con alcune persone, mentre altre erano amiche?
    Non è per rimestare, ma vorrei capire. Per mettermi in prospettiva, diciamo.

  3. luci sagt:

    questo post è illuminante, se non ti disturbo ti mando una mail che ti devo chiedere alcune informazioni…

  4. Liebe Familie aus Mals und liebe Sybille,

    Freu mich riesig ueber so viel Liebe und Respekt vor dem Kind, die Ihr durch das home-schooling beweisst! Liebe und Mut haengt wohl ganz eng zusammen! Ihr seid die Pioniere, und ich hoffe ganz fest, dass Eltern durch Euch ermutigt werden neue Wege mit ihren Kindern zu gehen. ihr habt all meine Unterstuetzung und Jubelrufe!!!
    Carmen

  5. Palmy sagt:

    Un saluto! Nel mio piccolo ho capito che in fondo faccio homeschooling part-time :-)))

    • Sybille sagt:

      Sí, leggendo il tuo blog mi sono accorta che ci sono molte affinitá. Infatti credo che non si tratti tanto di scuola o nonscuola, ma di metodi, di clima, di prioritá… Un giorno scriveró un post piú dettagliato sulla mia esperienza nella scuola montessoriana…. magari mi faró un’intervista🙂

  6. Gerti Maria sagt:

    La cosa peggiore per Julian sono stati lo stress, sia attraverso la pressione del dover fare in fretta che di dover rispettare un orario fisso, la pressione di dover ottenere dei risultati, i sistemi di struttura, alcune situazioni negative con i coetanei (mobbing) e anche con gli adulti (insegnanti) e anche stress attraverso sensi di inadeguatezza e di vergogna in relazione a rapporti con gli altri studenti (Julian è piúttosto piccolo di statura e molti dei suoi interessi sono diversi da quelli degli altri ragazzi della sua etá e anche questo lo faceva sentire “diverso” e inadeguato nel continuo confronto).
    In un momento di dialogo molto intenso tra Julian e me lui mi ha confessato che il fatto di sentire questa specie di “vergogna” per il percepirsi diverso dagli altri e per essere spesso confrontato, per lui é la cosa peggiore, é quello per cui lui soffre maggiormente. Molte cose che per altri ragazzi sono “normali”, per Julian significano stress. Infatti ripete spesso: Per favore, non stressatemi. – E la scuola é risultata come un posto colma di circostanze del genere dove per Julian non c’era nessuna possibilitá di evitare queste situazioni cosí pesanti per lui.

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