Buntglas Interview: „Mitten im Leben lernen“ *** „Apprendere nel bel mezzo della vita quotidiana“

20. April 2010

Nach dem Interview mit Gioia aus Udine machen wir nun einen Sprung zu unseren Nachbarn in die Schweiz!
Familie Gantenbein aus der Schweiz ist Mitglied im Verein „Mit Kindern wachsen e.V.“ und dokumentiert ihre Erfahrungen u.a. auf der Seite Pro Lernen und in ihrem Blog .
Bruno und Doris, Eltern von 3 Kindern (9½, 6½, 5), erzählen hier über ihre Erfahrungen und Sichtweisen.

Von der Schweiz hören wir im Bezug auf Homeschooling eigentlich sehr wenig, wenn man das etwa mit den USA oder anderen Ländern vergleicht. Ist die gesetzliche Regelung von Kanton zu Kanton verschieden und wie groß ist etwa die Anzahl der Schweizer Familien, die sich für Homeschooling entscheiden?
In der Schweiz ist es tatsächlich so, dass jeder Kanton ein anderes Gesetz bezüglich ‚Bildung Zuhause‘ hat, was den Überblick etwas kompliziert macht. Leider gibt es im Moment nur noch sehr wenige Kantone, in welchen Bildung Zuhause ohne grosse Hindernisse möglich ist. Genaue Zahlen zu Homeschooler-Familien sind uns nicht bekannt, doch laut Schätzung sollen es ca. 100 Homeschooler-Familien sein, davon eine kleine Anzahl Unschooler, zu denen wir uns zählen.

Aus welchem Grund habt ihr euch für Homeschooling entschieden?
Es ist unsere innere Haltung gegenüber dem Leben und dem Kind, welche uns zu Unschooling geführt hat. Eigentlich machen wir nicht Unschooling, sondern wir sind Unschooling!

Wie reagiert euer Verwandten- und Bekanntenkreis auf diese Entscheidung?
Wenn man einen solch ‚unkonventionellen‘ Weg geht, wirft das natürlich überall viele Fragen auf. Doch so individuell jeder Mensch ist, so individuell reagiert jeder Mensch anders. Die Verwandtschaft und unsere Freunde beispielsweise, welche unsere Kinder kennen und erleben dürfen, dass unsere Kinder bestens gedeihen und dass  das Lernen bei uns stattfindet,  respektieren  unseren Entscheid und lassen uns diesen Weg gehen, ohne uns ‚bekehren‘ zu wollen! Wer aber unsere Kinder nicht kennt, hat oftmals Vorurteile und der Realität in keiner Weise entsprechende Vorstellungen. Wir bekamen schon mal von jemandem, der unseren Weg nur vom Hören her kennt, den Vorwurf, dass ihm unsere Kinder leid täten. Sicher müssen wir bei solchen oder ähnlichen Sprüchen auch mal ‚leer schlucken‘, doch man lernt damit umzugehen und ein bisschen Gegenwind wirft uns nicht so schnell um. 😉

Wie sieht eure Beziehung zur örtlichen Schulbehörde aus, gibt es – wie in Italien – eine Art Aufsichtspflicht, müsst ihr Lernberichte vorlegen, müssen die Kinder Eignungstests bestehen oder ähnlich?
Unsere kantonalen Behörden geben uns einige wenige, aber in unseren Augen sinnvolle Auflagen, welche wir zu erfüllen haben. Eine davon ist, ein Lerntagebuch der Kinder zu führen und eine andere ist, dass wir jährlich eine Reflexion über die Lernfortschritte der Kinder zuhanden der Behörden einreichen.  Bis jetzt gibt es glücklicherweise keine Eignungstests. Die zuständige Behördenfachfrau kommt uns einmal im Jahr besuchen und wir besprechen zusammen die eingereichte Reflexion.

Wie kann man sich einen typischen Tag bei euch vorstellen? Benutzt ihr eine Art Lernplan oder lasst ihr euch ganz von den aktuellen Interessen der Kinder leiten?
Die Interessen und Bedürfnisse der Kinder bestimmen unseren Tag. Wenn man von einem typischen Tag reden kann, dann sind es die täglich wiederkehrenden Rituale, die das ausmachen. So sind z.B. die gemeinsamen Mahlzeiten typisch, wo wir jeweils wieder den weiteren Tagesverlauf planen oder besprechen. Es ist typisch, dass jedes Kind seinen Interessen und Wünschen nachgeht und meistens ich als Mutter begleitend  DA bin. Ebenso typisch ist, dass die Kinder mindestens einmal pro Tag in den Genuss einer erzählten Geschichte kommen. Und was bei uns ganz typisch ist, das ist unsere anregende Lernumgebung, welche unsere Kinder inspiriert und welche wir laufend erweitern und den Bedürfnissen der Kinder neu anpassen. Bei der Gestaltung der Lernumgebung achten wir darauf, dass möglichst viele Themenbereiche als Angebot mit dabei sind, was uns sozusagen den Lernplan ersetzt.

Wie ist euer Homeschooling mit der Berufstätigkeit von euch Eltern vereinbar?
Seit wir Kinder haben, kümmert sich mein Mann um die finanzielle Sicherheit. Und ich darf mich voll und ganz der wunderschönen Rolle als Mutter und Lernbegleiterin unserer Kinder hingeben.

Stellt ihr in manchen Dingen große Unterschiede fest im Verhalten, im Wissen, in der Art mit Lernen umzugehen, zwischen euren Kindern und jenen, die „ganz normal“ zur Schule gehen?
Ja, da gibt es schon Unterschiede. Im Gegensatz zu Schulkindern stellen wir bei unseren Kindern unter anderem eine gewisse Unbekümmertheit fest und auch, dass für sie Lernen etwas Natürliches und Schönes ist.

Haben eure Kinder noch nie den Wunsch geäußert, es einmal, „wie alle anderen“ in der Schule „ausprobieren“ zu wollen um zu sehen, wie es ist? Habt ihr nicht das Gefühl, euren Kindern ein Stück „Normalität“ vorzuenthalten?
Nein, den Wunsch in die Schule zu gehen hatten sie wirklich noch nie. Sie sind erfüllt von dem, wie es ist!  Und ist es nicht so, dass ‚Normalität‘  viele Gesichter hat? Für unsere Kinder ist es ganz natürlich und normal, dass sie mitten im Leben lernen dürfen.

Und habt ihr auch nie daran gedacht, es mit einer Schule mit alternativer Pädagogik (Montessori, Waldorf, Reggio usw.) zu versuchen?
Vor etwa 10 Jahren besuchten wir alle damals bestehenden alternativen Schulen in der ganzen Schweiz mit einem nicht-direktiven Ansatz nach Rebecca Wild. Und jedes Mal waren wir zu tiefst beeindruckt von der Art und Weise, wie diese Kinder lernen durften. Allerdings sahen wir auch einige Nachteile und so gut die beste alternative Schule auch sein mag, es ist immer noch eine Schule. . . . . . ..und so war für uns früh klar, dass wir unsere Kinder nicht einfach ‚wegschicken‘ wollten, sondern dass wir als Eltern die ganze Verantwortung für sie übernehmen wollen.

Wie lange plant ihr, mit Homeschooling weiterzumachen?
So lange es allen Beteiligten wohl dabei ist!

Was würdet ihr Eltern raten, die mit dem Gedanken spielen, sich auf Homeschooling einzulassen?
Wir meinen, dass man sich zum Thema Homeschooling möglichst profund bilden und auseinander setzen sollte. Mit einigen für uns wichtigen Stichworten sollte man sich unbedingt befassen: liebe-und respektvolle Begleitung (Art und Weise der Erziehung, Ideale),  entspannte und anregende Umgebung (Ort und Gestaltung von Wohnung/Haus, Wohlsein aller Familienmitglieder, finanzielle Sicherheit), Bildung der Eltern (Fähigkeit zu Reflektieren),  behördliche Auflagen (Konsequenzen bezüglich Wohnort, Art der Umsetzung).
Letzendlich ist es die innere Überzeugung, welche es einem ermöglicht, einen solchen Weg mit den Kindern zu gehen. Es ist ein intensiver, jedoch wundervoller Weg und wir wünschen allen Eltern, dass sie ihren ganz eigenen und persönlichen Weg mit ihren Kindern finden und gehen können!

Vielen Dank für das Interview!
Ein ausführliches Interview mit der Familie findet man in der April2009-Ausgabe von „Mit Kindern wachsen“, abrufbar hier.
Fotos Copyright Pro Lernen

Dopo l’intervista con Gioia di Udine oggi vi invito a fare un salto dai nostri vicini: in Svizzera! La famiglia Gantenbein é membro dell’associazione „Mit Kindern wachsen e.V.“ e raccoglie la bella documentazione sulle sue esperienze educative e di istruzione familiare sul sito Pro Lernen e sul relativo Blog. Bruno e Doris, i genitori di tre figli (9½, 6½ e  5 anni) ci raccontano delle loro esperienze e dei loro punti di vista.

Dalla Svizzera, per quanto riguarda l’Homeschooling, a dire il vero sentiamo parlare poco, in confronto agli Stati Uniti o altri Paesi. Com’é la situazione giuridica, dipende da cantone a cantone? Quanti sono all’incirca le famiglie svizzere che si avvalgono della facoltá di istruire i figli a casa propria?
Infatti, in Svizzera ogni cantone ha un proprio regolamento per quanto riguarda l’istruzione in famiglia. Questo rende difficile un confronto. Purtroppo al momento sono pochi i cantoni che facilitano l’Homeschooling, molti hanno delle regolamentazioni restrittive. Non abbiamo numeri concreti per quanto riguarda le famiglie svizzere, si stima che siano un centinaio, fra cui un piccolo gruppo che come noi ha optato per l’Unschooling.

Qual’é il motivo che vi ha spinto a fare Homeschooling/Unschooling?
È la nostra visione del mondo e dell’ apprendimento, e del bambino. A dirla tutta, non é che “facciamo“ Unschooling, noi“siamo” Unschooling!

Come sono le reazioni di amici e parenti di fronte alla vostra scelta?
Ovviamente una scelta come questa suscita molto stupore e molte domande. Ma le persone sono individui e cosí anche le reazioni sono individuali, diverse. Parenti ed amici ad esempio, che conoscono la nostra famiglia e possono osservare che i nostri figli si sviluppano a meraviglia e che imparano e studiano, rispettano la nostra decisione e ci lasciano fare il nostro percorso senza provare a farci cambiare idea! Ma chi non ci conosce e non conosce i nostri bambini, spesso esprime pregiudizi o immagina cose che non hanno nulla a che fare con la realtá. Una volta addiritura una persona, che conosceva il nostro percorso solo dall’ “aver sentito dire”, ha detto che i nostri figli gli facevano pena… Certo di fronte a frasi come queste ogni tanto dobbiamo fare un bel respiro e munirci di pazienza, ma abbiamo imparato ad affrontare queste situazioni, e, insomma, un po’ di vento contrario mica ci butta giú. 🙂


Com’é il vostro rapporto con la direzione scolastica locale; esiste – come in Italia – una specie d’obbligo da parte loro di controllarvi? Dovete presentare delle relazioni sull’operato, i bambini vengono sottopposti ad esami di idoneitá o cose del genere?
Le nostre autoritá cantonali ci obbligano a poche cose, che peró ai nostri occhi fanno senso e che rispettiamo. Uno di questi obblighi é di tenere per ogni bambino un “diario di apprendimento”; un’altro, di presentare annualmente una riflessione scritta sui progressi. Fino ad oggi per fortuna non esistono test di idoneitá. L’autoritá cantonale manda ogni anno a casa nostra un’esperta che discute con noi la nostra documentazione e riflessione. Insomma, un rapporto propositivo e costruttivo che mette al centro il bambino.

Come possiamo immaginare una tipica giornata a casa vostra? Usate una specie di programma, o vi orientate semplicemente agli attuali interessi di ogni bambino?
Sono gli interessi e le necessitá dei bambini a determinare la nostra giornata. Se proprio dobbiamo parlare di “giornata tipica”, possiamo raccontare dei nostri rituali che tornano ogni giorno, come il mangiare insieme. Questi momenti di incontro dell’intera famiglia danno spazio a discutere il corso della giornata o di fare proposte di come proseguire. È inoltre tipico che ogni bambino segue i suoi interessi del momento, ed io come mamma cerco di accompagnarlo semplicemente essendo presente. Tipico per noi é anche che ogni bambino almeno una volta al giorno abbia un po’ di tempo dedicato solo a lui dove gli viene raccontata una storia. E molto tipico é il nostro ambiente a misura di bambino, che ispira i bambini a imparare, esplorare, stimolando la voglia di capire, percepire, attivarsi. L’ambiente viene modificato da noi in continuazione, per essere sempre all’altezza degli interessi dei bambini del momento. Inoltre prestiamo moltissima attenzione a coinvolgere, nella preparazione dell’ambiente e delle cose che mettiamo a disposizione dei bambini, materiali diversi il piú possibile; questo sistema praticamente sostituisce un programma scolastico diviso per materie.

Com’é compatibile il vostro stile di vita e di apprendimento dei bambini con il lavoro, le vostre professioni?
Da quando ci sono i bambini, mio marito si occupa degli aspetti della sicurezza economica. Io invece posso dedicarmi al meraviglioso ruolo di mamma e accompagnatrice di apprendimento dei nostri figli.

Ogni tanto notate delle differenze di comportamento, di conoscenza, di approccio allo studio, fra i vostri bambini e quelli che vanno „normalmente“ a scuola?
Sí certo, ci sono differenze. In confronto a bambini che frequentano la scuola abbiamo notato che i nostri bambini confrontano la vita con una certa spensieratezza e che per loro studiare e imparare é una cosa naturale e bella.

I vostri figli non hanno mai espresso il desiderio di andare a scuola „come tutti gli altri“, tanto per vedere com’é? Non avete paura di far perdere ai vostri figli un pezzo di „normalitá“?
No, davvero non hanno mai avuto il desiderio di andare a scuola! Sono assolutamente soddisfatti delle cose cosí come sono. E non é cosí che la „normalitá“ ha tante facce? Per i nostri bambini é normale e naturale apprendere in questo modo, nel bel mezzo della vita quotidiana.

E non avete mai pensato di far frequentare ai vostri bambini una scuola con metodi alternativi (Waldorf, Montessori, Reggio ecc.)?
Circa una decina di anni fa abbiamo visitato tutte le scuole alternative che c’erano allora in Svizzera con un approccio non-direttivo in stile Rebecca Wild. Ogni volta eravamo sconvolti dal modo come questi bambini avessero la possibilitá di studiare, imparare, apprendere, in modo libero. Peró é vero che abbiamo visto anche alcuni svantaggi e, anche se una scuola alternativa sembra perfetta, rimane comunque sempre una scuola… e cosí per noi é risultato chiaro ben presto che non volevamo “mandare” da qualche parte i nostri bambini, ma che era importante per noi assumerci questa responsabilitá come genitori, come famiglia.


Fino a quando pensate di continuare con l’istruzione familiare?
Fino a quando tutti i partecipanti ne sono contenti e soddisfatti!

Quale consiglio potete dare ai genitori che stanno valutando l’opzione dell’istruzione parentale?
Siamo convinti che bisogna informarsi profondamente e discuterne a fondo. Ci sono alcuni valori per noi che riteniamo fondamentali come base di discussione: assistenza amorevole e rispettosa (modello e metodo di istruzione e educazione), ambiente rilassante e stimolante (ubicazione e progettazione di appartamento o casa, il benessere di tutti i membri della famiglia, la sicurezza economica), le capacitá dei genitori (la capacità di riflettere), i requisiti di legge (conseguenze legate al posto dove si vive, tipo di attuazione degli obblighi di legge).
Alla fine peró é la convinzione interiore di ognuno di noi, che rende possibile intraprendere questo percorso con i propri figli. È un percorso intenso, ma meraviglioso, e auguriamo a tutti i genitori che possano trovare, insieme ai loro bambini, la loro personale e individuale strada da scegliere!

Grazie alla famiglia Gantenbein per l’intervista!
Se volete porre domande dirette a loro attraverso i commenti a questo post, sono gradite in lingua tedesca o inglese. Per commenti di altro tipo, ben vengano tutte le altre lingue. 🙂
Traduzione: Sybille
Fotografie Copyright Pro Lernen.


Landesgeschichte (8) Storia del Sudtirolo

20. April 2010

Immer mehr im Zusammenhang mit unserem Leben heute hängen die Ereignisse in unserem Lernbereich Landesgeschichte zusammen.
Piú si continua nel percorso della storia locale e piú i ragazzi riescono a capire la situazione particolare di oggi.

Dementsprechend groß ist auch das Interesse der Jungs. Schließlich wird die mit den Wirren der Geschichte zusammenhängende Familiengeschichte auch immer verständlicher.
Infatti l’interesse dei ragazzi é molto grande. Per forza, visto che la situazione politica di allora ha avuto forte impatto sulla storia di famiglia.

Nach Ende des 1. Weltkrieges kam es zur Aufteilung Tirols, Südtirol und Trentino gehörten nun zu Italien, das Selbstbestimmungsrecht blieb verweigert. Obwohl Teile der italienischen Regierung einer Autonomie nicht abgeneigt waren, setzten sich nationalistische Kräfte durch. Der einsetzende Faschismus verschärfte die Probleme.
Come detto, dalla fine della prima guerra mondiale il Sudtirolo fa parte dell’Italia. Nonostante parti del governo italiano di allora sarebbero stati favorevoli ad un’autonomia, hanno vinto le forze nazionaliste il cui peso diventa sempre piú grande con la crescita del fascismo.

Immer wieder kam es zu Übergriffen. Am 21. April 1921 überfiel ein faschistisches Kommando in Bozen einen Trachtenumzug, dabei wurde der Lehrer Franz Innerhofer beim Versuch, einen Buben vor den Schüssen zu retten, erschossen. Am 2. Oktober 1922 fand der faschistische „Marsch auf Bozen“ statt, der Mussolinis Machtübernahme in Italien einleitete.
In Sudtirolo la situazione diventa piú grave giorno dopo giorno. In aprile 1921 un gruppo di fascisti irrompe in una manifestazione folcloristica, l’insegnante Franz Innerhofer viene ucciso mentre tenta di salvare un bambino. In ottobre 1922 i fascisti organizzano la „marcia su Bolzano“ come preludio alla „marcia su Roma“ di Mussolini.

Noch heute erzählen Großeltern bzw. Urgroßeltern von den Italienisierungsmaßnahmen von damals: Verbot des deutschsprachigen Unterrichts, Entlassung der deutschen Lehrpersonen, Absetzung der Bürgermeister mit Ersetzung durch faschistische Amtsbürgermeister (sog. Podestá), Einführung italienischer Ortsnamen, Abänderung der Familiennamen ins Italienische, Einführung der Bezeichnung „Alto Adige“ für Südtirol, Auflösung aller deutschen Vereine, Verbot deutscher Bücher, Förderung des faschistischen Baustils (ursprünglich sollte sogar die Nordseite der berühmten Bozner Lauben abgerissen werden). Einen besonderen Affront bildete der Bau des Siegesdenkmals mit der Inschrift „Hic patriae fines siste signa. Hinc ceteros excoluimus lingua legibus artibus.“ Auch heute noch.
Um die deutsche Kultur zu retten, wurden sogenannte Katakombenschulen, also Geheimschulen, eingerichtet, in denen den Kindern trotz des strikten Verbotes deutsche Lieder und deutsche Sprache beigebracht wurden. Organisiert wurden dieser Geheimunterricht vor allem von Kanonikus Michael Gamper und Josef Noldin, der diesen Einsatz mit dem Leben bezahlen musste. An Folgen der Gefangenschaft wegen ihrer geheimen Unterrichtstätigkeit verstarb auch die junge Lehrerin Angela Nikoletti.

Ancora oggi bisnonni e nonni raccontano di quei tempi: i metodi di italianizzazione del territorio. Divieto della lingua tedesca (le scuole tedesche vengono chiuse, gli insegnanti tedeschi licenziati), i sindaci tedeschi vengono sostituiti con i podestá, i nomi dei paesi, delle cittá, dei fiumi, delle famiglie vengono sostituiti con nomi (di fantasia) italiani, la parola Sudtirolo viene vietata e sostituita con Alto Adige. Le associazioni tirolesi vengono vietate, divieto di libri o testi e giornali tedeschi. Lo stile architettonico fascista viene sostenuto mentre molti immobili tipici tirolesi vengono abbattuti, ad esempio era in programma di distruggere i famosi portici di Bolzano. Un affronto particolare (ancora oggi) rappresenta il „Monumento alla Vittoria“ a Bolzano con la scritta „Qui sono i confini della Patria. Pianta le insegne! Da qui educammo gli altri con la lingua con le leggi con le arti.“ Per salvare la cultura tedesca, soprattutto Michael Gamper e Josef Noldin organizzano le scuole segrete tedesche, chiamate „scuole nelle catacombe„. La giovane maestra Angela Nikoletti é una di quelle che vengono scoperte e arrestate, lei é morta nel 1930, ammalatasi gravemente per le conseguenze della prigione…

Um die Italienisierung des Gebiets zu fördern, wurde die Industriezone in Bozen gebaut. Deutschsprachige durften in den Fabriken nicht arbeiten, dafür lockte man mit der Aussicht auf gutbezahlte Arbeitsplätze möglichst viele Italiener nach Südtirol. Auch die öffentlichen Stellen blieben Italienern vorbehalten. So kam es, dass bereits 1937 die Stadt Bozen mehrheitlich von Italienern bewohnt war. Dazu kam 1939 das Umsiedlungsabkommen zwischen Hitler und Mussolini: Bei der sogenannten Option mussten die Südtiroler sich entweder für Auswanderung ins Deutsche Reich entscheiden oder fürs Dableiben – mit dem Hinweis, man würde nach Süditalien zwangsversetzt. 75.000 Menschen wanderten aus, angetrieben von Versprechungen auf eigene Bauernhöfe und gutes Leben im Deutschen Reich und müde von den Repressalien der Faschisten. So kam es, dass Johns Großvater, Kind einer Auswandererfamilie, in Bayern geboren wurde und seine frühe Kindheit dort verbrachte. Andere Teile der Familie zählten zu den Dableibern. Beide Seiten beschimpften sich als Verräter, es geschah viel Unrecht und Leid, und noch heute gehen durch viele Familie Risse, die wohl nie ganz verheilen werden.
Viele katholische Priester und Aktivisten rund um den sogenannten Andreas-Hofer-Bund warnten vor dem Lockruf des Deutschen Reichs. Auch die Faschisten hatten nicht damit gerechnet, dass so viele Südtiroler ihre Heimat verlassen würden und fürchteten, dass das gesamte Gebiet bald nahezu unbewohnt (und unbewirtschaftet!) bliebe. Daher gab es schließlich wieder die Möglichkeit zur Rücknahme der Entscheidung. Einzelschicksale als Spielball der Politik…

Per favorire l‘italianizzazione, a Bolzano si costruisce la zona industriale. Qui i tirolesi tedeschi non possono lavorare, e anche i posti nelle amministrazioni pubbliche sono riservati agli italiani. Cosí molti italiani in cerca di lavoro arrivano volentieri nella nuova provincia italiana, trovano casa e lavoro. Giá nel 1937 la maggioranza degli abitanti della cittá di Bolzano é di lingua italiana. Nel 1939 Hitler e Mussolini decidono „l’opzione“, lo spostamento forzato dei tirolesi di lingua tedesca: tutti i capofamiglia devono decidere se lasciare la patria e andare nel Terzo Reich di Hitler, o se rimanere qui e „diventare italiani“ come si deve – con la promessa/minaccia di essere spostati nell’Italia Sud. 75mila tirolesi lasciano il Sudtirolo con la promessa dei nazisti di trovare, in Germania, nuovi masi e bellissime fattorie (figurarsi!). Gli italiani temono che la provincia si svuoti totalmente, con gravi impatti sull’economia, e si fa retromarcia offrendo la possibilitá di ri-decidere. Fra chi decide di emigrare e chi decide di rimanere, scoppiano terribili liti, ogni parte accusa l’altra di essere un traditore. Ancora oggi fra molte famiglie é rimasto l’abisso dell’opzione. Anche il nonno paterno dei ragazzi é, causa opzione, nato e cresciuto in Baviera, la sua famiglia é ritornata qui alcuni anni dopo la seconda guerra mondiale.

1943 schließlich, nach dem Sturz Mussolinis, wird Südtirol Teil der deutschen „Operationszone Alpenvorland unter Gauleiter Hofer. Mancherorts werden die Nazis als Retter begrüßt. Aber nach dem Leid unter dem Faschismus erlebt Südtirol nun das Leid unterm Hakenkreuz: Wie überall unter dem Nationalsozialismus werden Menschen  verhaftet und in Konzentrationslager verschickt. Regimekritiker werden in der „Via Resia“ in Bozen (Durchzugslager) festgehalten. Alle Südtiroler mussten nun zur Deutschen Wehrmacht… Es kommt zu Konflikten mit der Kirche wegen der Ideologie der Nazis. Klöster werden aufgehoben, Ordensschulen geschlossen, Geistliche ins KZ geschickt, Priester hingerichtet.
Nel 1943 cade Mussolini, e il Sudtirolo diventa parte della „Zona d’operazione delle Prealpi“ del Terzo Reich. In alcuni posti si dá il benvenuto ai nazisti, vedendoli come coloro che riportano la cultura tedesca. Ma ora, dopo i dolori che ha provocato il fascismo, ecco l’altra parte della medaglia: Come dappertutto, i nazisti arrestano persone e li mandano nei Lager. Chi critica il Regime, viene rinchiuso nel Lager di Bolzano in via Resia. I Sudtirolesi ora devono prestare servizio militare per il Terzo Reich. Alcuni preti cattolici vengono uccisi o arrestati.

Widerstand leistete u. a. Josef Mayr-Nusser aus Bozen, der sich aus religiösen Gründen weigerte, den SS-Eid auf den Führer abzulegen. Auf dem Weg ins KZ Dachau starb er elend.
Am Ende des zweiten Weltkrieges wird wieder, durch die nun gegründete Südtiroler Volkspartei, die Forderung auf Selbstbestimmung und Wiedervereinigung mit Österreich erhoben. Die Pariser Friedenskonferenz 1946 verweigert diese.

Fra coloro che non sono disposti a giurare a Hitler per motivi religiosi, c’é Josef Mayr-Nusser, che paga con la vita. Dopo la fine della seconda guerra mondiale, il nuovo partito territoriale che si costituisce, la Südtiroler Volkspartei, il partito popolare sudtirolese, chiede l’autodeterminazione e il ritorno all’Austria, ma invano.

—————————————————
Franz Innerhofer, Josef Mayr-Nusser, Angela Nikoletti, Josef Noldin…

Überall in Südtirol finden wir Plätze und Straßen mit den Namen dieser Personen. Um ihre Geschichte nicht zu vergessen!
Ovunque in Sudtirolo si trovano i nomi di queste persone nei nomi di strade e piazze. Per non dimenticare la loro storia!