Buntglas Interview: „Mitten im Leben lernen“ *** „Apprendere nel bel mezzo della vita quotidiana“

Nach dem Interview mit Gioia aus Udine machen wir nun einen Sprung zu unseren Nachbarn in die Schweiz!
Familie Gantenbein aus der Schweiz ist Mitglied im Verein „Mit Kindern wachsen e.V.“ und dokumentiert ihre Erfahrungen u.a. auf der Seite Pro Lernen und in ihrem Blog .
Bruno und Doris, Eltern von 3 Kindern (9½, 6½, 5), erzählen hier über ihre Erfahrungen und Sichtweisen.

Von der Schweiz hören wir im Bezug auf Homeschooling eigentlich sehr wenig, wenn man das etwa mit den USA oder anderen Ländern vergleicht. Ist die gesetzliche Regelung von Kanton zu Kanton verschieden und wie groß ist etwa die Anzahl der Schweizer Familien, die sich für Homeschooling entscheiden?
In der Schweiz ist es tatsächlich so, dass jeder Kanton ein anderes Gesetz bezüglich ‚Bildung Zuhause‘ hat, was den Überblick etwas kompliziert macht. Leider gibt es im Moment nur noch sehr wenige Kantone, in welchen Bildung Zuhause ohne grosse Hindernisse möglich ist. Genaue Zahlen zu Homeschooler-Familien sind uns nicht bekannt, doch laut Schätzung sollen es ca. 100 Homeschooler-Familien sein, davon eine kleine Anzahl Unschooler, zu denen wir uns zählen.

Aus welchem Grund habt ihr euch für Homeschooling entschieden?
Es ist unsere innere Haltung gegenüber dem Leben und dem Kind, welche uns zu Unschooling geführt hat. Eigentlich machen wir nicht Unschooling, sondern wir sind Unschooling!

Wie reagiert euer Verwandten- und Bekanntenkreis auf diese Entscheidung?
Wenn man einen solch ‚unkonventionellen‘ Weg geht, wirft das natürlich überall viele Fragen auf. Doch so individuell jeder Mensch ist, so individuell reagiert jeder Mensch anders. Die Verwandtschaft und unsere Freunde beispielsweise, welche unsere Kinder kennen und erleben dürfen, dass unsere Kinder bestens gedeihen und dass  das Lernen bei uns stattfindet,  respektieren  unseren Entscheid und lassen uns diesen Weg gehen, ohne uns ‚bekehren‘ zu wollen! Wer aber unsere Kinder nicht kennt, hat oftmals Vorurteile und der Realität in keiner Weise entsprechende Vorstellungen. Wir bekamen schon mal von jemandem, der unseren Weg nur vom Hören her kennt, den Vorwurf, dass ihm unsere Kinder leid täten. Sicher müssen wir bei solchen oder ähnlichen Sprüchen auch mal ‚leer schlucken‘, doch man lernt damit umzugehen und ein bisschen Gegenwind wirft uns nicht so schnell um.😉

Wie sieht eure Beziehung zur örtlichen Schulbehörde aus, gibt es – wie in Italien – eine Art Aufsichtspflicht, müsst ihr Lernberichte vorlegen, müssen die Kinder Eignungstests bestehen oder ähnlich?
Unsere kantonalen Behörden geben uns einige wenige, aber in unseren Augen sinnvolle Auflagen, welche wir zu erfüllen haben. Eine davon ist, ein Lerntagebuch der Kinder zu führen und eine andere ist, dass wir jährlich eine Reflexion über die Lernfortschritte der Kinder zuhanden der Behörden einreichen.  Bis jetzt gibt es glücklicherweise keine Eignungstests. Die zuständige Behördenfachfrau kommt uns einmal im Jahr besuchen und wir besprechen zusammen die eingereichte Reflexion.

Wie kann man sich einen typischen Tag bei euch vorstellen? Benutzt ihr eine Art Lernplan oder lasst ihr euch ganz von den aktuellen Interessen der Kinder leiten?
Die Interessen und Bedürfnisse der Kinder bestimmen unseren Tag. Wenn man von einem typischen Tag reden kann, dann sind es die täglich wiederkehrenden Rituale, die das ausmachen. So sind z.B. die gemeinsamen Mahlzeiten typisch, wo wir jeweils wieder den weiteren Tagesverlauf planen oder besprechen. Es ist typisch, dass jedes Kind seinen Interessen und Wünschen nachgeht und meistens ich als Mutter begleitend  DA bin. Ebenso typisch ist, dass die Kinder mindestens einmal pro Tag in den Genuss einer erzählten Geschichte kommen. Und was bei uns ganz typisch ist, das ist unsere anregende Lernumgebung, welche unsere Kinder inspiriert und welche wir laufend erweitern und den Bedürfnissen der Kinder neu anpassen. Bei der Gestaltung der Lernumgebung achten wir darauf, dass möglichst viele Themenbereiche als Angebot mit dabei sind, was uns sozusagen den Lernplan ersetzt.

Wie ist euer Homeschooling mit der Berufstätigkeit von euch Eltern vereinbar?
Seit wir Kinder haben, kümmert sich mein Mann um die finanzielle Sicherheit. Und ich darf mich voll und ganz der wunderschönen Rolle als Mutter und Lernbegleiterin unserer Kinder hingeben.

Stellt ihr in manchen Dingen große Unterschiede fest im Verhalten, im Wissen, in der Art mit Lernen umzugehen, zwischen euren Kindern und jenen, die „ganz normal“ zur Schule gehen?
Ja, da gibt es schon Unterschiede. Im Gegensatz zu Schulkindern stellen wir bei unseren Kindern unter anderem eine gewisse Unbekümmertheit fest und auch, dass für sie Lernen etwas Natürliches und Schönes ist.

Haben eure Kinder noch nie den Wunsch geäußert, es einmal, „wie alle anderen“ in der Schule „ausprobieren“ zu wollen um zu sehen, wie es ist? Habt ihr nicht das Gefühl, euren Kindern ein Stück „Normalität“ vorzuenthalten?
Nein, den Wunsch in die Schule zu gehen hatten sie wirklich noch nie. Sie sind erfüllt von dem, wie es ist!  Und ist es nicht so, dass ‚Normalität‘  viele Gesichter hat? Für unsere Kinder ist es ganz natürlich und normal, dass sie mitten im Leben lernen dürfen.

Und habt ihr auch nie daran gedacht, es mit einer Schule mit alternativer Pädagogik (Montessori, Waldorf, Reggio usw.) zu versuchen?
Vor etwa 10 Jahren besuchten wir alle damals bestehenden alternativen Schulen in der ganzen Schweiz mit einem nicht-direktiven Ansatz nach Rebecca Wild. Und jedes Mal waren wir zu tiefst beeindruckt von der Art und Weise, wie diese Kinder lernen durften. Allerdings sahen wir auch einige Nachteile und so gut die beste alternative Schule auch sein mag, es ist immer noch eine Schule. . . . . . ..und so war für uns früh klar, dass wir unsere Kinder nicht einfach ‚wegschicken‘ wollten, sondern dass wir als Eltern die ganze Verantwortung für sie übernehmen wollen.

Wie lange plant ihr, mit Homeschooling weiterzumachen?
So lange es allen Beteiligten wohl dabei ist!

Was würdet ihr Eltern raten, die mit dem Gedanken spielen, sich auf Homeschooling einzulassen?
Wir meinen, dass man sich zum Thema Homeschooling möglichst profund bilden und auseinander setzen sollte. Mit einigen für uns wichtigen Stichworten sollte man sich unbedingt befassen: liebe-und respektvolle Begleitung (Art und Weise der Erziehung, Ideale),  entspannte und anregende Umgebung (Ort und Gestaltung von Wohnung/Haus, Wohlsein aller Familienmitglieder, finanzielle Sicherheit), Bildung der Eltern (Fähigkeit zu Reflektieren),  behördliche Auflagen (Konsequenzen bezüglich Wohnort, Art der Umsetzung).
Letzendlich ist es die innere Überzeugung, welche es einem ermöglicht, einen solchen Weg mit den Kindern zu gehen. Es ist ein intensiver, jedoch wundervoller Weg und wir wünschen allen Eltern, dass sie ihren ganz eigenen und persönlichen Weg mit ihren Kindern finden und gehen können!

Vielen Dank für das Interview!
Ein ausführliches Interview mit der Familie findet man in der April2009-Ausgabe von „Mit Kindern wachsen“, abrufbar hier.
Fotos Copyright Pro Lernen

Dopo l’intervista con Gioia di Udine oggi vi invito a fare un salto dai nostri vicini: in Svizzera! La famiglia Gantenbein é membro dell’associazione „Mit Kindern wachsen e.V.“ e raccoglie la bella documentazione sulle sue esperienze educative e di istruzione familiare sul sito Pro Lernen e sul relativo Blog. Bruno e Doris, i genitori di tre figli (9½, 6½ e  5 anni) ci raccontano delle loro esperienze e dei loro punti di vista.

Dalla Svizzera, per quanto riguarda l’Homeschooling, a dire il vero sentiamo parlare poco, in confronto agli Stati Uniti o altri Paesi. Com’é la situazione giuridica, dipende da cantone a cantone? Quanti sono all’incirca le famiglie svizzere che si avvalgono della facoltá di istruire i figli a casa propria?
Infatti, in Svizzera ogni cantone ha un proprio regolamento per quanto riguarda l’istruzione in famiglia. Questo rende difficile un confronto. Purtroppo al momento sono pochi i cantoni che facilitano l’Homeschooling, molti hanno delle regolamentazioni restrittive. Non abbiamo numeri concreti per quanto riguarda le famiglie svizzere, si stima che siano un centinaio, fra cui un piccolo gruppo che come noi ha optato per l’Unschooling.

Qual’é il motivo che vi ha spinto a fare Homeschooling/Unschooling?
È la nostra visione del mondo e dell’ apprendimento, e del bambino. A dirla tutta, non é che “facciamo“ Unschooling, noi“siamo” Unschooling!

Come sono le reazioni di amici e parenti di fronte alla vostra scelta?
Ovviamente una scelta come questa suscita molto stupore e molte domande. Ma le persone sono individui e cosí anche le reazioni sono individuali, diverse. Parenti ed amici ad esempio, che conoscono la nostra famiglia e possono osservare che i nostri figli si sviluppano a meraviglia e che imparano e studiano, rispettano la nostra decisione e ci lasciano fare il nostro percorso senza provare a farci cambiare idea! Ma chi non ci conosce e non conosce i nostri bambini, spesso esprime pregiudizi o immagina cose che non hanno nulla a che fare con la realtá. Una volta addiritura una persona, che conosceva il nostro percorso solo dall’ “aver sentito dire”, ha detto che i nostri figli gli facevano pena… Certo di fronte a frasi come queste ogni tanto dobbiamo fare un bel respiro e munirci di pazienza, ma abbiamo imparato ad affrontare queste situazioni, e, insomma, un po’ di vento contrario mica ci butta giú.🙂


Com’é il vostro rapporto con la direzione scolastica locale; esiste – come in Italia – una specie d’obbligo da parte loro di controllarvi? Dovete presentare delle relazioni sull’operato, i bambini vengono sottopposti ad esami di idoneitá o cose del genere?
Le nostre autoritá cantonali ci obbligano a poche cose, che peró ai nostri occhi fanno senso e che rispettiamo. Uno di questi obblighi é di tenere per ogni bambino un “diario di apprendimento”; un’altro, di presentare annualmente una riflessione scritta sui progressi. Fino ad oggi per fortuna non esistono test di idoneitá. L’autoritá cantonale manda ogni anno a casa nostra un’esperta che discute con noi la nostra documentazione e riflessione. Insomma, un rapporto propositivo e costruttivo che mette al centro il bambino.

Come possiamo immaginare una tipica giornata a casa vostra? Usate una specie di programma, o vi orientate semplicemente agli attuali interessi di ogni bambino?
Sono gli interessi e le necessitá dei bambini a determinare la nostra giornata. Se proprio dobbiamo parlare di “giornata tipica”, possiamo raccontare dei nostri rituali che tornano ogni giorno, come il mangiare insieme. Questi momenti di incontro dell’intera famiglia danno spazio a discutere il corso della giornata o di fare proposte di come proseguire. È inoltre tipico che ogni bambino segue i suoi interessi del momento, ed io come mamma cerco di accompagnarlo semplicemente essendo presente. Tipico per noi é anche che ogni bambino almeno una volta al giorno abbia un po’ di tempo dedicato solo a lui dove gli viene raccontata una storia. E molto tipico é il nostro ambiente a misura di bambino, che ispira i bambini a imparare, esplorare, stimolando la voglia di capire, percepire, attivarsi. L’ambiente viene modificato da noi in continuazione, per essere sempre all’altezza degli interessi dei bambini del momento. Inoltre prestiamo moltissima attenzione a coinvolgere, nella preparazione dell’ambiente e delle cose che mettiamo a disposizione dei bambini, materiali diversi il piú possibile; questo sistema praticamente sostituisce un programma scolastico diviso per materie.

Com’é compatibile il vostro stile di vita e di apprendimento dei bambini con il lavoro, le vostre professioni?
Da quando ci sono i bambini, mio marito si occupa degli aspetti della sicurezza economica. Io invece posso dedicarmi al meraviglioso ruolo di mamma e accompagnatrice di apprendimento dei nostri figli.

Ogni tanto notate delle differenze di comportamento, di conoscenza, di approccio allo studio, fra i vostri bambini e quelli che vanno „normalmente“ a scuola?
Sí certo, ci sono differenze. In confronto a bambini che frequentano la scuola abbiamo notato che i nostri bambini confrontano la vita con una certa spensieratezza e che per loro studiare e imparare é una cosa naturale e bella.

I vostri figli non hanno mai espresso il desiderio di andare a scuola „come tutti gli altri“, tanto per vedere com’é? Non avete paura di far perdere ai vostri figli un pezzo di „normalitá“?
No, davvero non hanno mai avuto il desiderio di andare a scuola! Sono assolutamente soddisfatti delle cose cosí come sono. E non é cosí che la „normalitá“ ha tante facce? Per i nostri bambini é normale e naturale apprendere in questo modo, nel bel mezzo della vita quotidiana.

E non avete mai pensato di far frequentare ai vostri bambini una scuola con metodi alternativi (Waldorf, Montessori, Reggio ecc.)?
Circa una decina di anni fa abbiamo visitato tutte le scuole alternative che c’erano allora in Svizzera con un approccio non-direttivo in stile Rebecca Wild. Ogni volta eravamo sconvolti dal modo come questi bambini avessero la possibilitá di studiare, imparare, apprendere, in modo libero. Peró é vero che abbiamo visto anche alcuni svantaggi e, anche se una scuola alternativa sembra perfetta, rimane comunque sempre una scuola… e cosí per noi é risultato chiaro ben presto che non volevamo “mandare” da qualche parte i nostri bambini, ma che era importante per noi assumerci questa responsabilitá come genitori, come famiglia.


Fino a quando pensate di continuare con l’istruzione familiare?
Fino a quando tutti i partecipanti ne sono contenti e soddisfatti!

Quale consiglio potete dare ai genitori che stanno valutando l’opzione dell’istruzione parentale?
Siamo convinti che bisogna informarsi profondamente e discuterne a fondo. Ci sono alcuni valori per noi che riteniamo fondamentali come base di discussione: assistenza amorevole e rispettosa (modello e metodo di istruzione e educazione), ambiente rilassante e stimolante (ubicazione e progettazione di appartamento o casa, il benessere di tutti i membri della famiglia, la sicurezza economica), le capacitá dei genitori (la capacità di riflettere), i requisiti di legge (conseguenze legate al posto dove si vive, tipo di attuazione degli obblighi di legge).
Alla fine peró é la convinzione interiore di ognuno di noi, che rende possibile intraprendere questo percorso con i propri figli. È un percorso intenso, ma meraviglioso, e auguriamo a tutti i genitori che possano trovare, insieme ai loro bambini, la loro personale e individuale strada da scegliere!

Grazie alla famiglia Gantenbein per l’intervista!
Se volete porre domande dirette a loro attraverso i commenti a questo post, sono gradite in lingua tedesca o inglese. Per commenti di altro tipo, ben vengano tutte le altre lingue.🙂
Traduzione: Sybille
Fotografie Copyright Pro Lernen.

2 Antworten zu Buntglas Interview: „Mitten im Leben lernen“ *** „Apprendere nel bel mezzo della vita quotidiana“

  1. […] dem Titel  ‘Mitten im Leben lernen‘ ist nun das Buntglas-Interview fast pünktlich zusammen mit unserem neuen Blog-Outfit […]

  2. […] Während wir an der Schweiz arbeiteten, musste ich an meine Bekannten, die dort leben, denken; oder an Anna, die gerade eben von der Schweiz nach Italien rück-eingewandert ist, und an Paola, die vor kurzem nach Zürich gezogen ist. Übrigens wird auf diesem Blog in Kürze wieder von der Schweiz die Rede sein, nämlich vom Homeschooling in der Schweiz – sobald ich mit Übersetzen fertig bin! Ein erstes Interview mit einer Schweizer Homeschooling-Familie gab es bereits letztes Jahr, wer es (wieder)lesen möchte, findet es hier bei Buntglas. […]

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: