Buntglas Interview: „And my husband said: Why not try homeschooling?“

Eva with Miriam and Flora

Nach dem Interview mit mir selbst machen wir nun einen Sprung über den Ozean hinüber… nach New York zu Eva!
Eva stammt aus Deutschland und lebt seit 17 Jahren in den USA. Sie ist seit 14 Jahren mit einem Amerikaner verheiratet und hat 5 Kinder im Alter von 12, 10, 7, 4 Jahren und 1 Jahr. Die Kinder im schulpflichtigen Alter, also drei, werden zu Hause unterrichtet.

Eva, wie kamst du auf die Idee, deine Kinder nicht zur Schule zu schicken, sondern Homeschooling zu machen? Du selbst bist in Deutschland doch sicher den traditionellen Bildungsweg gegangen? Wie waren die Reaktionen deiner Familie und Freunde in Deutschland über eure Homeschooling-Entscheidung?
Meine anfängliche Ausbildung war ganz traditionell. Ich bin ganz normal zur Grundschule und später aufs Gymnasium gegangen. Nur nach der 12. Klasse verbrachte ich ein Jahr als Austauschschülerin in Kanada. Nach dem Abitur begann mein Studium der katholischen Theologie, Anglistik und Germanistik (Deutsch als Fremdsprache)in Würzburg und Bonn. Während meines Studiums wurde mir eine Stelle als Assistentin für Deutsch an der Unversity of Columbia, Missouri, angeboten. Damit begann mein Leben in den USA. Neben meiner Unterrichtstätigkeit arbeitete ich auch an einem Magister in Germanistik, den ich an der katholischen University of Notre Dame, Indiana, beendete. Dort lernte ich meinen Mann kennen, mit dem ich schließlich in einen ländlichen Teil des Staates New York zog.
Als unser Ältester ins schulpflichtige Alter (6 Jahre hier im Staate New York) kam, informierten wir uns über die verschiedenen Schulen, die zur Verfügung standen. Es gab natürlich eine nahe öffentliche Schule, aber auch eine katholische Schule, die ungefähr 45 Minuten entfernt war, eine evangelische Privatschule, die etwas näher war, und eine Waldorfschule, die ca. 1 Stunde entfernt war. Keine dieser Möglichkeiten schien uns ideal zu sein, entweder war das Niveau zu schlecht, oder die Fahrzeit zu weit oder die Schulgebühren zu hoch. Mein Mann kam dann auf die Idee, dass wir doch die Kinder zu Hause unterrichten könnten. Ich hatte von dieser Möglichkeit bisher so gut wie nichts gehört, machte mich aber sogleich kundig und eröffnete uns damit eine neue Welt. Meine Familie und Freunde reagierten auf diese Entscheidung mehr oder weniger mit Stillschweigen, ich glaube, diese Entscheidung war zu „exotisch“. Innerlich hegten sie bestimmt große Zweifel, ob das überhaupt machbar wäre.

Rechtlich gesehen, müsst ihr euch als Homeschooler irgendwo anmelden? Müssen die Kinder in gewissen Zeitabständen Prüfungen ablegen, müsst ihr Dokumentation über das Gelernte führen, kurz gesagt „kontrolliert“ jemand, dass das Recht auf Bildung der Kinder ausgeübt wird?
Wenn die Kinder hier ins schulpflichtige Alter kommen, muss man die Schule, zu dessen Schulbezirk man gehört, anschreiben und ihr mitteilen, daß das Kind zu Hause unterrichtet werden soll. Die Schule muss dann schriftlich davon Kenntnis nehmen. Daraufhin muss man innerhalb eines bestimmten Zeitraumes einen sogenannten „IHIP“ (Individualized Home Instruction Plan) an die Schule schicken, worin man genau darlegt, was man seinem Kind beibringen und welche Materialien man benutzen möchte. Der Schulleiter stellt fest, ob alle Fächer, die der Staat New York vorschreibt, abgedeckt sind. (Die Fächer sind vorgeschrieben, aber nicht die Inhalte.) Jedes Quartal muss man dann ein Zeugnis an die Schule schicken und angeben, wieviel Stunden unterrichtet worden sind. Am Ende des Schuljahres reicht man entweder eine schriftliche Beurteilung des Kindes ein, lässt sein Kind einen standardisierten Test machen oder es von anderen Leuten beurteilen.  Ab der vierten (auf Antrag auch erst der fünften Klasse) muss jedes Kind alle zwei Jahre einen standardisierten Test bestehen. Man hat eine große Auswahl bei diesen Tests, die meisten testen nur Englisch und Mathe. Ab der achten Klasse finden diese Tests jährlich statt, doch erlischt die Schulpflicht mit 16 Jahren. Man muß auch täglich eine Anwesenheitsliste führen. Der Staat New York hat den Ruf, ein besonders strenger Staat für Homeschooler zu sein, doch habe ich das noch nicht wirklich bemerkt.

Haben die Kinder noch nie den Wunsch geäußert, zur Schule zu gehen?
Nein, sie sind ganz zufrieden mit ihrer „Schule“ zu Hause.

Miriam’s first homeschooling day last September

Gibt es viele Homeschoolerfamilien in eurem Umfeld, erlebt ihr viel Austausch mit Familien, die ähnlich leben wir ihr, oder fühlt ihr euch eher allein?
Es gibt hier in unserem Dorf einige Familien, die Homeschooling machen. In der näheren und weiteren Umgebung gibt es sehr viele Familien, die diesen Weg gehen. Wir gehören zu drei Homeschoolorganisationen. Eine ist ein Ableger von LEAH (Loving Education at Home), eine ist eine große katholische Gruppe in Buffalo, die „Children of Mary“ heißt, und eine ist eine Gruppe, die Naturaktivitäten miteinander unternimmt. Diese Gruppen bieten vieles an, z.B. Chor, Sport, religiöse und künstlerische Veranstaltungen, Ausflüge, Geselligkeit oder Besuche im Altersheim. Wir nehmen einige dieser Angebote wahr, leider wohnen wir für viele Veranstaltungen aber zu weit weg. Wir fühlen uns aber auf keinen Fall isoliert, da Homeschooling hier sehr verbreitet ist. Das College, bei dem mein Mann arbeitet, nimmt sogar besonders gerne Studenten an, die Homeschooling gemacht haben.  Homeschooling hier ist einfach wie eine andere Schulform.

In deinem Blog Untrodden Paths steht, euer Bildungsmodell lehnt sich zum Teil an die Waldorfpädagogik wie auch an Charlotte Mason an. Von Charlotte Mason ist hier in Italien kaum etwas bekannt, ich glaube auch im deutschsprachigen Raum kennen nur „Insider“ ihren pädagogisch-didaktischen Ansatz. Kannst du uns kurz etwas dazu erzählen?
Charlotte Mason war eine britische, protestantische Erzieherin und hat von 1843-1923 gelebt. Sie hat versucht, ein Bildungsmodell für Kinder zu entwickeln, welches unter dem Motto stand: „Education is an atmosphere, a disicpline, a life“. Mit „atmosphere“ meinte sie dabei das häusliche Umfeld des Kindes, mit „discipline“ das Erlernen von guten Gewohnheiten, besonders guten Charaktereigenschaften, und schließlich mit „life“ die akademische Bildung des Kindes. Dabei hob sie besonders hervor, dass ein Kind mit „lebendigen“ Ideen und Gedanken (sprich Originaltexten in Literatur, guten Gemälden, guter Musik, Experimenten in Naturwissenschaften)in Berührung kommen und nicht nur aus trockenen Schulbüchern lernen sollte. Sie war auch eine Befürworterin von Naturspaziergängen und Naturbeobachtungen, generell davon, daß Kinder möglichst viel draußen sein sollten. Kurze, aber häufige Unterrichtseinheiten waren ihr wichtig, sie hat viel die Technik der Nacherzählung benutzt. Kunst- und Musikgeschichte waren ein Teil ihres Unterrichtes, Gedichte wurden auswendig gelernt, Fremdsprachen täglich unterrichtet, Mathematik sollte nicht nur gemeistert, sondern auch verstanden werden, und Grammatikunterricht wurde erst ab dem zehnten Lebensjahr erteilt.  Eine kurze (englische) Zusammenfassung ihrer Methoden findet man hier Sie selbst hat ein umfangreiches Werk geschrieben, welches man online sogar lesen kann. Es gibt aber auch gute Einführungsbücher zu ihrem Werk. Hier ist eine Auswahl — die Bücher sind allerdings alle auf Englisch:

A Charlotte Mason Companion“ von Karen Andreola
For the Children’s Sake“ von Susan Schaeffer McCauley (Diese Autorin ist in der Schweiz aufgewachsen. Ihre Eltern haben die L’Abri – Gemeinschaft in der Schweiz gegründet.)
When Children Love to Learn“ von Elaine Cooper

Gute Websites, die mit Charlotte Masons Methoden und Homeschooling weiterhelfen, sind:
www.materamabilis.org/ma/ (katholisch)
www.simplycharlottemason.com (evangelisch)
www.amblesideonline.org (evangelisch)
www.charlottemason.com (evangelisch)
www.queenhomeschool.com (evangelisch)
www.charlottemasoneducation.com
www.pennygardner.com

Deine Kinder sind ja ganz unterschiedlichen Alters, haben unterschiedliche Interessen und Ansprüche; wie schaffst du es organisatorisch und inhaltlich, daß keines zu kurz kommt? Welche Rolle spielt im Homeschooling, zeitlich und inhaltlich, dein Mann?
Im Moment unterrichte ich offiziell drei Kinder: Jonathan 6. Klasse, Charlotte 4. Klasse, Miriam 1. Klasse. Veronika ist im Kindergartenalter, Flora noch ein Kleinkind. Schon von früh auf habe ich versucht, unsere Tage am Modell eines Waldorfkindergartens zu orientieren. Wir haben also immer einen gewissen Rhythmus gehabt, in der sich freies Spiel, künstlerische Tätigkeiten, gute Bilderbücher, viel Zeit draußen, Musik und nachahmendes Lernen im Haushalt abgewechselt haben. Dieser Rhythmus mußte sich mit dem Eintritt ins Schulalter ein wenig wandeln, schwieriger wurde es erst, als ich zwei Kinder unterrichten mußte. Zu diesem Zeitpunkt waren mir organisatorische Bücher zum Thema Homeschooling eine große Hilfe. A Mother´s Rule of Life und Managers of their Homes bieten hierzu viele gute Ideen an. Ich habe mir einen Zeitplan für wochentags und das Wochenende geschrieben, nach welchem wir unsere Tage gestalten. Jedes Kind hat dort Zeit nur mit mir, Zeit mit Geschwistern und Zeit zum selbständigen Lernen. Mein Mann ist für Fragen der Kinder immer offen und liest ihnen abends oft Geschichten vor. Den Unterricht habe bisher ich übernommen, das wird sich vielleicht ein wenig ändern, wenn die Kinder älter werden und spezifisch amerikanische Themen, wie das politische System, kennenlernen müssen. Mein Mann unterstützt mich aber sehr, indem er einkaufen geht, die Kinder zu Sportveranstaltungen und anderen Aktivitäten bringt, bei unserer Morgen- und Abendroutine hilft und immer ein offenes Ohr hat.

Wachsen die Kinder zweisprachig auf?
Ich habe seit der Geburt der Kinder großen Wert auf die Zweisprachigkeit gelegt. Ich spreche immer Deutsch mit ihnen (auch in Anwesenheit anderer Leute), mein Mann immer Englisch, nur am Wochenende versuchen alle Deutsch zu reden. Mein Mann versteht Deutsch sehr gut, die Kinder haben etwa bis zum zweiten Lebensjahr nur Deutsch gesprochen. Englisch ist natürlich ihre starke Sprache, aber sie können sich alle gut auf Deutsch verständigen. Im Rahmen unseres Unterrichtes lesen wir deutsche Bücher, lernen deutsche Rechtschreibung und Grammatik und schreiben deutsche Aufsätze, auch wenn dafür nicht so viel Zeit zur Verfügung steht.

Jonathan’s Greece map

Kannst du uns kurz einen typischen Tag bei euch schildern?
Wir stehen alle früh auf (zwischen 5.30 Uhr und 6.30 Uhr), frühstücken, arbeiten ein wenig im Haushalt und fangen um 8.00 Uhr mit dem Unterricht nach einem kurzen Gebet und Kreisspiel an.  Alle Hauptfächer machen wir vormittags, wobei die Kinder individuelle Zeit mit mir haben, aber auch alleine arbeiten bzw. die jüngeren spielen. Die individuelle Zeit gestalte ich in Form einer Hauptepoche, wie sie an den Waldorfschulen üblich ist.
Gegen 13.00 Uhr essen wir mit meinem Mann zu Mittag. Nachmittags gibt es eine Stunde stille Arbeitszeit, Kaffeetrinken, freie Spielzeit, Haushaltsaufgaben und nochmals kurzen Unterricht in Fächern wie Fremdsprachen, Kunst, Religion. Oft finden auch Sportveranstaltungen mit anderen Kindern wie Ballett, Gymnastik, Homeschoolsport oder Baseball statt. Manchmal gehen die Kinder ins Altersheim, um für die alten Leute Musik zu machen und mit ihnen zu spielen. Einmal die Woche machen wir nachmittags einen Naturspaziergang oder gehen in eine Kunstgallerie. Ein Büchereibesuch und eine Morgenmesse stehen auch auf dem wöchentlichen Programm. Abends machen wir Handarbeit oder lesen Bücher vor. Am Wochenende putzen und backen wir, machen Ausflüge, gehen in die Kirche, spielen und erledigen liegengebliebene Sachen.

Bei so vielen Tätigkeiten, kommst du selbst dabei nicht manchmal zu kurz, findest du noch genug Zeit für deine eigenen Interessen?
Diese Frage finde ich sehr schwierig zu beantworten.  Für mich ist mein Leben und Arbeiten mit meinen Kindern Zeit für mich selbst, ich ziehe da keine große Trennung. Ich fühle mich nicht so sehr als Lehrerin, sondern als Mitlernerin. Ich finde gerne interessante Unterrichtsmaterialien, lese sehr gerne, u.a. Homeschoolingkataloge! Ein Hobby, welches ich meist abends oder sonntags betreibe, ist die Genealogie — ich forsche, wo die Familie meines Mannes herkommt.

Group photo from a performance of the musical „Rosary“, in which Jonathan, Charlotte and Peter participated.
The participants were adults, homeschoolers and „normal“ school children.

Welche sind deiner Meinung nach die größten Vorteile von Homeschooling? Und die Nachteile?
Die größten Vorteile von Homeschooling bestehen darin, dass wir bis zu einem gewissen Grad selbst bestimmen können, was, wie und wann wir lernen. Dazu gehören besonders Fremdsprachen (neben Deutsch machen wir Latein, biblisches Griechisch und Französisch), katholische Religionslehre,(Religionsunterricht darf in öffentlichen Schulen in Amerika nicht erteilt werden) und viel Künstlerisches, Musisches, Werken und Handarbeit. Ich kann auf Stärken und Schwächen der Kinder eingehen und ihre Entwicklung bewusst miterleben. Die Kinder haben eine gute Beziehung untereinander und sie können ihren eigenen Interessen nachgehen. Sie lernen auch vieles, was in einem Haushalt an Arbeit anfällt, und wie man diese Arbeit anpackt (Bügeln, Waschen, Putzen usw.). Als Hauptnachteil sehe ich die Kosten. Wir zahlen hohe Schulsteuern, auch wenn die Kinder nicht in die Schule gehen, und müssen alle Unterrichtsmaterialien selbst kaufen.

Wie lange wollt ihr eure Homeschooling-Erfahrung fortführen?
Wir wollen Homeschooling so lange weitermachen, wie wir geistig, seelisch und körperlich dazu fähig sind, bisher haben wir also vor, die Kinder bis zur 12. Klasse zu unterrichten. Wenn sie 16 sind, können sie auch Kurse hier am College, bei dem mein Mann unterrichtet, belegen. Vielleicht nehmen wir dieses Angebot für einige Fächer an.

Welche Ratschläge könntest du einer Familie geben, die an Homeschooling denkt?
Für alle, die sich für Homeschooling interessieren, würde ich vorschlagen, sich mit Familien zu unterhalten, die diesen Lebensweg gehen. Dazu würde ich mir einen Einblick in die Literatur, die es zu diesem Thema gibt, verschaffen. Dabei hilft es besonders, herauszufinden, welchen Unterrichtsstil man verfolgen will und was man für Ziele hat.

Was wünschst du dir für eure Zukunft?
Gesundheit, Kraft, Ausdauer und Geduld fallen mir da zuerst ein. Eine Gehaltserhöhung oder eine bessere Stelle würden meinem Mann besonders gefallen. Die Kinder sind eigentlich ganz glücklich — sie mögen keine großen Veränderungen.

Danke liebe Eva für das Interview und für die sehr interessanten Einblicke in euren Homeschooling-Alltag! Weiterhin viel Glück und Freude!!

Fotos Copyright: Untrodden Paths

Eva’s Family

Dopo l’intervista con me stessa ora facciamo un salto oltre l’oceano… ecco l’intervista con Eva di New York!
Eva viene dalla Germania e vive da 17 anni negli Stati Uniti. 14 anni fa ha sposato un americano, hanno 5 figli dell‘ età di 12, 10, 7, 4 anni e 1 anno. I bambini in età scolare, vale a dire tre, sono istruiti a casa.

Eva, come hai avuto l’idea di non mandare i figli a scuola, ma di fare homeschooling? Tu stessa sei cresciuta in Germania e il tuo percorso scolastico é stato quello tradizionale. Quali sono state le reazioni dei familiari e amici in Germania di fronte alla vostra decisione di optare per l’homeschooling?
Sì, il mio percorso scolastico é stato abbastanza normale, ho frequentato la scuola elementare e piú avanti il Gymnasium (liceo). Solo dopo la  dodicesima classe ho trascorso un anno come studente di scambio in Canada. Poi ho fatto il mio diploma e ho studiato inglese e tedesco come lingua straniera e teologia cattolica a Würzburg e a Bonn.
Quando il nostro figlio piú grande é arrivato in età scolare (6 anni qui a New York State), ci siamo informati sulle varie scuole che sono disponibili qui. Ci sono, naturalmente, una scuola pubblica non troppo lontano da casa nostra, una scuola cattolica che è distante circa 45 minuti ma senza servizio di scuolabus, quindi ancora una scuola protestante privata che era un po´ più vicina, e una scuola Waldorf a circa 1 ora di distanza. Nessuna di queste opzioni però sembrava essere l’ideale per noi: o il livello di qualitá non era soddisfacente o bisognava viaggiare troppo lontano, o le spese di iscrizione erano troppo alte. Mio marito poi ha proposto che si potrebbe anche istruire i bambini a casa: homeschooling appunto. Io di questa alternativa praticamente non ne sapeva nulla, ma mi sono subito informata e questo a noi ha aperto un nuovo mondo. La mia famiglia d’origine e gli amici non si sono espressi apertamente su quello che pensavano di questa scelta, credo che questa decisione per loro sia troppo „esotica“. Sicuramente avranno avuto seri dubbi se questa cosa fosse fattibile…

Dal punto di vista giuridico-legale, come homeschoolers dovete registrarvi da qualche parte? I bambini periodicamente devono effettuare dei test di idoneitá o qualcosa del genere? Dovete presentare della documentazione di ció che hanno studiato? Qualcuno controlla che il diritto di istruzione venga applicato?
Quando i bambini entrano in età scolare, bisogna scrivere una lettera alla scuola, in cui si comunica che il bambino non frequenterá nessuna scuola ma sará seguito con istruzione familiare. La scuola poi risponde scrivendo che ne ne ha preso atto. Allora dobbiamo inviare un „IHIP“ (Individualized Home Instruction Plan) in cui si spiega esattamente cosa si vuole insegnare ai figli, e indicare quali materiali si desidera utilizzare. Il dirigente scolastico prende atto di tale piano e controlla che tutte le materie previste dal New York State siano incluse. (Le materie sono fissate dal regolamento, ma non i contenuti.) Ogni trimestre si deve poi inviare alla scuola un certificato che indica il numero di ore di insegnamento svolte. Alla fine dell’anno scolastico posso decidere o di presentare una valutazione (tipo pagella), oppure di far fare al bambino un test standardizzato, oppure farlo valutare da altre persone. A partire dal quarto anno (su richiesta si puó anche slittare al quinto anno) il bambino deve fare il test standardizzato ogni 2 anni. C’é da scegliere da una vasta gamma di queste prove, molti test chiedono solo inglese matematica. Dall’ottava classe in poi questi test sono da fare ogni anno, ma l’obbligo di istruzione finisce a 16 anni. Ogni giorno c’é anche da aggiornare un registro delle presenze.
Lo Stato die New York ha la reputazione di essere uno stato particolarmente severe per homeschoolers, ma io finora non l’ ho notato molto.

I bambini non hanno mai espresso il desiderio di frequentare una scuola?
No, sono molto contenti del loro homeschooling.

Miriam doing math with Cuisenaire Rods, Veronika and Flora playing

Ci sono molte famiglie homeschoolers nel vostro ambiente, vivete uno scambio abbastanza forte con altre famiglie che hanno fatto la vostra scelta oppure vi sentite isolati?
Nel nostro paese ci sono alcune famiglie che fanno homeschooling. Negli altri paesi limitrofi ci sono molte famiglie come noi. Siamo iscritti a tre associazioni di homeschooling. Una fa parte di LEAH (Loving Education at Home),  una é un grande gruppo cattolico a Buffalo che si chiama „
Children of Maryuna é un gruppo che organizza attivitá nella natura e all’aria aperta. Questi gruppi offrono molte opportunitá come coro, sport, iniziative di carattere religioso, iniziative culturali ed artistiche, gite, giochi, compagnia, visite alla casa di riposo e altro.   Noi accettiamo alcune di queste proposte ma purtroppo viviamo un po’ fuori dalle possibilitá e non possiamo partecipare a tutto quello che ci piacerebbe. Peró in nessun caso ci sentiamo isolati, visto che homeschooling comunque é un fenomeno abbastanza frequente. Il College dove lavora mio marito preferisce addiritura iscrivere studenti che provvengono da un’esperienza homeschooling. Homeschooling qui da noi non é altro che uno delle possibilitá di istruzione, un tipo di scuola.

Nel tuo blog Untrodden Paths hai scritto che il vostro modello educativo di riferimento si basa un po’ sull’educazione steineriana ma soprattutto sul metodo di Charlotte Mason. Di Charlotte Mason in Italia si sa poco e niente, probabilmente é conosciuta solo dagli „insider“. Ci puoi spiegare brevemente il suo concetto pedagogico-didattico?
Charlotte Mason era una pedagoga britannica protestante, ha vissuto dal  1843 al 1923.  Ha voluto sviluppare un modello educativo seguento il suo motto “Education is an atmosphere, a disicpline, a life“.  Con atmosfera intendeva l’ambiente di casa e di famiglia del bambino; con disciplina le buone abitudini soprattutto la formazione di un buon carattere, e infine con „life“ l’istruzione academica del bambino. Riguardo a questo particolarmente significante per lei é che il bambino dovrebbe potersi confrontare innanzittutto con pensieri e idee “vive” e non studiare le cose solamente dai libri. Era una grande sostenitrice di passeggiate ed escursioni all’aperto, con un’attenta osservazione della natura, e comunque era dell’opinione che i bambini dovrebbero stare all’aria aperta il piú possibile. Sosteneva che fosse fondamentale fare ore di lezione corte, ma di proporrle spesso e in modo regolare. Riteneva importante la tecnica del ripetere e riassumere con proprie parole. Storia dell’arte e della musica erano elementi fissi delle lezioni, anche per i bambini piú piccoli nelle prime classi. Usava molto imparare a memoria filastrocche e poesie. Fisse nel programma quotidiano anche l’insegnamento delle altre lingue. La matematica non doveva essere solo studiata ma anche capita, toccata, mentre la grammatica veniva studiata solo a partire dai 10 anni del bambino. Qui si trova un breve riassunto del suo metodo. Lei stessa ha scritto un volume che puó essere letto online qui.
Inoltre esistono molti libri interessanti che introducono nel metodo di Charlotte Mason, come:
A Charlotte Mason Companion“ di Karen Andreola
For the Children’s Sake“ di Susan Schaeffer McCauley (Questa autrice é cresciuta in Svizzera. I suoi genitori hanno fondato L’Abri.)
When Children Love to Learn“ di Elaine Cooper.
Siti con spunti interessanti riguardi il metodo Charlotte Mason e il homeschooling sono:
www.materamabilis.org/ma/ (cattol.)
www.simplycharlottemason.com (protestante)
www.amblesideonline.org (protest.)
www.charlottemason.com (protest.)
www.queenhomeschool.com (protest.)
www.charlottemasoneducation.com
www.pennygardner.com

Charlotte’s fractions study

I tuoi bambini hanno etá molto diverse, diversi interessi e bisogni – come riesci ad organizzare le diverse attivitá e i contenuti, senza il rischio di lasciar fuori qualcuno? E tuo marito, checontributo dá lui nell’homeschooling, sia come tempo che per i contenuti?
Al momento insegno ufficialmente a tre figli:  Jonathan sesta classe, Charlotte quarta classe, Miriam prima classe. Veronika é in etá prescolare (da scuola per l’infanzia), Flora é ancora piccolina. Giá fin dall’inizio mi sono impegnata a organizzare la nostra giornata nello stile di una scuola per l’infanzia steineriana. Perció abbiamo da sempre avuto un determinato ritmo nella giornata, con a turno momenti di libero gioco, attivitá artistica, libri e lettura, molto tempo all’aria aperta, musica e attivitá domestica. Con l’inizio dell’attivitá scolastica il ritmo é cambiato un po‘, é diventato piú complicato con due bambini-scolari poi. In quel momento mi erano di grande aiuti libri dedicati alla tematica dell’homeschooling, come  A Mother´s Rule of Life
e Managers of their Homes, danno molti spunti di una buona organizzazione. Cosí ho preparato una specie di calendario-orario per i giorni lavorativi e per il weekend, in base a questo cerchiamo di vivere la giornata. Ogni bambino ha a disposizione un tot di tempo solo con me, poi tempo con i fratelli, tempo per l’apprendimento autonomo e autogestito. Mio marito é sempre a disposizione per domande che vengono dai bambini e di sera é quasi sempre lui a leggere le storie a loro, prima di andare a letto. Finora l’insegnamento é stato il mio compito, probabilmente questo cambierá quando i bambini saranno piú grandi e dovranno studiare anche tematiche specifiche americane, come il sistema politico. Mio marito comunque mi dá un grandissimo sostegno in ogni senso, va a fare la spesa, porta i bambini alle attivitá sportive e altre iniziative, dá sempre una mano nella routine di inizio e di fine giornata ed é sempre disposto ad accogliere richieste della famiglia.

I bambini crescono bilingui?
Da quando sono nati i bambini ho sempre dato molta attenzione al bilinguismo. Parlo sempre in tedesco a loro (anche in presenza di altre persone), mio marito parla solo inglese con loro; invece nei finesettimana parliamo esclusivamente in tedesco. Mio marito capisce molto bene il tedesco e i bambini fino all’etá di due anni hanno parlato quasi esclusivamente tedesco. Ora l’inglese ovviamente é la loro lingua forte, peró sono in grado di esprimersi in un buon tedesco. All’interno delle nostre lezioni integriamo la lettura di libri tedeschi, studiamo la grammatica tedesca e scriviamo temi in tedesco, anche se per questo aspetto non abbiamo cosí tanto tempo a disposizione.

Jonathan

Una giornata tipica?
Ci alziamo presto, fra le 5,30 e le 6,30. Facciamo colazione, qualche lavoretto in casa che va fatto. Alle 8 inizia la lezione con una breve preghiera e un gioco di gruppo. Tutte le materie primarie le facciamo di mattina e ogni bambino passa un po‘ di tempo con me da solo e lavora in modo autonomo, ma c’é sempre anche spazio per giocare con i fratelli piú piccoli. Le loro lezioni individuali sono gestiti con il metodo steineriano, a epoca.
Verso le 13 facciamo pranzo con mio marito. Di pomeriggio facciamo un’ora di lavoro in silenzio, facciamo una pausa caffé, giochi liberi, lavoretti di casa e ancora una breve lezione in materie come lingue straniere, arte, religione. Spesso di pomeriggio si svolgono iniziative sportive con altri bambini, ad esempio danza, ginnastica, homeschoolsport o baseball. Ogni tanto i bambini vanno a visita nella casa di riposo per fare musica per gli anziani e per passare un po‘ di tempo con loro. Una volta alla settimana facciamo una passeggiata nella natura o visitiamo una galleria d’arte. E sempre una volta alla settimana andiamo in biblioteca e a messa. Di sera facciamo ricamo o cucito o leggiamo libri a voce alta. Il finesettimana é per le pulizie, facciamo dolci e torte, andiamo a fare gite, in chiesa, a giocare, o finiamo lavoretti sospesi.

Con tutte queste attivitá, ma trovi ancora tempo per te stessa, per i tuoi interessi?
A questa domanda é difficilissimo rispondere. Per me la mia vita e il lavoro con i bambini é tempo per me stessa, qui non faccio una divisione, un limite. Non sento me stessa come insegnante ma come compagna di apprendimento, di studio. Mi piace trovare materiali di insegnamento interessanti, mi piace molto leggere, soprattutto cataloghi per homeschooling! Uno degli hobby che faccio spesso di sera o di domenica, é la genealogia – faccio ricerche sulla famiglia di mio marito.

Secondo te, quali sono i punti forti e quelli negativi dell’homeschooling?
I pregi piú grandi sono che fino ad un certo punto possiamo decidere noi stessi cosa, quando e come studiare. Ad esempio le lingue (a parte il tedesco, noi studiamo latino, greco antico e francese), la religione cattolica (nelle scuole pubbliche americane non é ammessa l’ora di religione) e lezioni di arte, musica, lavori manuali. Posso rispettare i punti deboli e i punti forti di ogni bambino e sostenerlo individualmente e accompagnarlo nel suo sviluppo in modo consapevole. I bambini fra di loro hanno un bellissimo rapporto e hanno sempre la possibilitá di seguire i loro interessi. Imparano anche molte cose sulla gestione di una casa e di una famiglia e di come si puó dare una mano (stirare, lavare, fare le pulizie ecc). Uno dei problemi sta nei costi: paghiamo tasse di scuola molto alte nonostante i bambini non frequentano una scuola, e dobbiamo pagarci tutto il materiale didattico da proprie tasche.

Charlotte is playing flute; Flora is helping her

Fino a quando volete proseguire con la vostra esperienza di homeschooling?
Vogliamo continuare finché ne abbiamo la possibilia dal punto di vista fisico e psichico, al momento pensiamo di proseguire fino alle dodicesima classe. A 16 anni i ragazzi possono frequentare corsi al College dove insegna mio marito. Forse per alcune materie prenderemo in considerazione questa possibilitá.

Quali consigli potresti dare ad una famiglia che sta pensando all’homeschooling?
Per tutti quelli che si interessano di homeschooling sarebbe utile trovare occasione di parlare e confrontarsi con altre famiglie homeschoolers. Inoltre é fondamentale leggere diversi libri che parlano di questo tema, per una panoramica generale. In questo modo é piú semplice riuscire a capire quale stile di insegnamento si preferisce e quali sono i propri obiettivi.

Cosa ti auguri per il futuro?
Salute, forza, pazienza sono le prime cose che mi vengono in mente. Un aumento di stipendio o un posto di lavoro nuovo piacerebbero a mio marito. I bambini sono felici cosí come stanno le cose in questo momento – non amano grandi cambiamenti.

Grazie cara Eva per questa intervista e per la interessante presentazione del vostro homeschooling! Ancora buon proseguimento e tanti auguri di felicitá!

Fotografie Copyright: Untrodden Paths
traduzione:  Sybille

agg. 08.05.2010: Sul metodo CHARLOTTE MASON qui un bell’articolo di Perfectio Conversationis e qui qualche suggerimento sull‘ educazione all’arte á la Mason di Mens Sana.

8 Antworten zu Buntglas Interview: „And my husband said: Why not try homeschooling?“

  1. FlaviaP sagt:

    Inspiring! come sempre🙂
    Grazie Sybille e Eva!

  2. d. sagt:

    Come sempre sei una fonte di ispirazione e informazione!
    Da tempo sto girovagando in internet raccogliendo informazioni sul metodo di Charlotte Mason ed ecco questa bella intervista, piena di link e materiali interessantissimi… grazie!

  3. Francesca sagt:

    Che meravigliosa famiglia…
    E‘ bello vedere famiglie così belle e luminose.
    Un abbraccio
    Francesca

  4. Eva sagt:

    Ganz lieben Dank für das schöne Interview und die lieben Wünsche! Es hat mir Spaß gemacht, die Fragen zu beantworten und ich freue mich, so Homeschooling in Europa ein wenig mitzuverbreiten.

    • Sybille sagt:

      Danke dir nochmal herzlich, Eva! Dein Beitrag ist sehr wertvoll auch für jene, die sich unter Homeschooling gar nichts vorstellen können.

  5. Gemma sagt:

    Sono una mamma italiana da poco trasferita a Monaco di Baviera interessata a homeschooling. Ho letto da qualche parte che qui in Germania homeschooling è vietato per legge. Qualcuno di voi sa se sia vero?
    I’m an Italian mum, who’ve recently moved to Munich and interested in homeschooling. I’ve read somewhere that homeschooling is forbidden here in Germany. Do you know if it’s true?

    • Sybille sagt:

      Ciao Gemma, sí in Germania nel 1938 é stata tolta la legge che lo permetteva e dopo la guerra non é piú stata introdotta. Alcune famiglie lo fanno lo stesso e questo significa sanzioni e guai con i tribunali. Diverse famiglie per questo lasciano il paese e vanno in Francia, in Austria o in Belgio (magari vicino alla frontiera per continuare a lavorare in Germania, facendo i pendolari).

  6. […] fa è stata pubblicata da Sybille una bella intervista con una famiglia che segue i principi della Mason, dove si segnalano anche testi e siti fondamentali […]

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